Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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Pöhlmann hat gezeigt, daß so manche Erscheinungen der 
älteren griechischen Verfassungs- und Wirtschaftseinrichtungen aus 
den besonderen Verhältnissen, sei es lokaler Bedingungen, sei 
es späterer politischer Notwendigkeit erst zustande gekommen 
sind. Sie lassen sich daraus ungezwungen erklären, ohne daß 
wir davon Rückschlüsse auf urzeitliche Primitivformen ziehen 
dürften”). 
Sicherlich hat dann seit dem 8. Jahrhundert der Handel in 
Griechenland einen Aufschwung genommen?®): Ich möchte aber 
nicht glauben, daß die Griechen erst jetzt aus einem Volke von 
Bauern und Hirten ein Volk von Schiffern geworden sind!®), daß 
die mykenische Zeit nur Ackerbau und Landverkehr gekannt 
habe?) und erst infolge der Besitznahme der Inseln und der klein- 
asiatischen Westküste jene wirtschaftliche Umwälzung angebahnt 
wurde, die der ganzen späteren Geschichte ihren Charakter geben 
sollte*!). Vielmehr dürfen wir heute auf Grund der Forschungen 
über die ägäische Kultur wohl annehmen, daß keine so plötzliche 
Umwälzung statthatte, sondern die Entwicklung eine allmähliche 
gewesen ist, zumal ja auch die Inseln und die Westküste Klein- 
asiens an dieser ägäischen Kultur schon Teil gehabt hatten?”). 
Insbesondere war Troja damals schon ein wichtiger Markt und 
Umschlagplatz zwischen dem Innern Kleinasiens und dem Westen 
(griechische Küste). Die Herren Kleinasiens, die Hettiter, standen 
in Beziehung zu dieser Kultur der Agäis*®). Als die dorische Ein- 
wanderung stattfand (ca. 1200 v. Chr.) wurde diese alte Kultur 
zwar großenteils vernichtet und das Land neu aufgeteilt, aber die 
Veränderungen, welche im Wirtschaftsleben eintraten, berührten 
die für unsere Betrachtung maßgebenden Grundfragen nicht un- 
mittelbar. Neue Herren traten in Besitz des Landes. Jedoch war 
die Grundherrschaft doch früher schon hier vorhanden, wie die 
1”) A.a.O., 1°, Sf. u. 46. sowie 65 £. 
1) Ed. Meyer a.a.O. 709. 
2) So Beloch a.a.O. ı?, 202. 
%) So Beloch a.a.O. S. 204. 
%) Ebda. S. 202. | 
2?) Vgl. Fimmen, Die kretisch-mykenische Kultur (1921), S. 102 ff., sowie 
Glotz a.a.O. S. 251 ff. 
%) Vgl. E. Forrer, Vorhomerische Griechen in den Keilschrifttexten von 
Boghazköi, Mitt. d. Deutsch. Orientgesell. Berlin 63 (1924), sowie P. Kretschmer, 
Alaktandus, König v. Vilufa, Glotta 13, 205 ff. (1924).
	        
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