Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

worden sind, etwa in Milet oder Phokaea*). Von hier aus ver- 
breitete sich das Münzgeld rasch in etwa einem Jahrhundert über 
die Handelsplätze Griechenlands bis in die Kolonien auch des 
Westens (Sizilien). 
Beloch hat hervorgehoben, daß die Geldwirtschaft nur sehr 
langsam an die Stelle der Naturalwirtschaft getreten sei. Er verweist 
auf die bekannten Schatzungsklassen Solons (nach Scheffel Korn), 
sowie auf die Grundsteuer in Attika, die noch am Vorabende der 
Perserkriege in Naturalien erhoben wurde. Thessalien hat dieses 
System bis ins 4. Jahrhundert, ja noch später, beibehalten. Auf 
Sizilien hat es die griechische Selbständigkeit überdauert. Auch die 
Pacht wurde in Attika „nicht in bar, sondern in einer Quote des 
Bodenertrages entrichtet)“. Beloch sieht den Grund für diese Er- 
scheinung darin, daß die Menge des im Umlauf befindlichen edlen 
Metalls bis ins 5. Jahrhundert hinein eben sehr beschränkt gewesen 
sei. Die Edelmetallproduktion habe nur wenig Ausbeute geliefert**). 
Das mag zutreffend sein. 
Ob dies aber wirklich zur Erklärung der uns bekannten Tat- 
sachen hinreicht? Sie legen, glaube ich, auch noch eine andere 
Deutung nahe. Die Geldwirtschaft trat überhaupt nicht so sehr an 
Stelle der Naturwirtschaft, vielmehr bleiben beide lange Zeit neben- 
einander bestehen. Die agrarwirtschaftlichen Produktionskreise 
zahlen mit ihren Bodenprodukten und werden auch in diesen be- 
steuert. Die Verbreitung der Teilpacht®) wird eben hier ohne- 
weiters verständlich. Daher auch die Grundsteuer eine Natural- 
steuer ist. Anders die Handwerker und Kaufleute. Wir dürfen nicht 
übersehen, daß diese Steuerveranlagung durch die politischen Ab- 
sichten des Reformwerkes Solons maßgebend bestimmt war. Wir 
haben hier ja nicht das gesamte Volk vor uns, sondern die Grund- 
besitzer, d. h. vornehmlich den Adel und die Großbauern®®). Die 
Handwerker und Kleinbauern sind hier ebensowenig vertreten 
wie die Händler. Und diese waren, der Naukleros wie der Emporos, 
32) Griech. Gesch. ı?, 288. 
3) Ebda. S. 295. 
5) Ebda. S. 296. 
3) Ebda. S.295 n. 3. | 
3) Vgl. Ed. Meyer, Gesch. d. Altertums, 2, 361: Auf der Landwirtschaft 
beruht die Macht des Adels, bei weitem die Mehrzahl der Bevölkerung Jebt 
von ihr.
	        
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