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hinab. Im Sommer muss diese Fahrt entzückend sein, wenn
die Bäume belaubt sind und der Oleanderstrauch, der hier in
Massen wild wächst und Laurel genannt wird, Blüthen trägt.
Die Bahn bleibt nur kurze Zeit im Flussthale und ersteigt
sehr bald wieder die frühere Höhe, jetzt aber mittelst zweier,
nur durch eine kurze Horizontalfläche unterbrochenen schiefen
Ebenen von geringerer Steigerung, aber grösserer Länge.
Diese Ebenen sind 5000, resp. 4850 Fuss lang und haben nur
12V2 Fuss Steigung auf too Fuss Länge.
Wir wurden über beide Ebenen durch die Zahnradkette
hinaufgezogen und fuhren nun, etwa eine Stunde lang, von
einer Höhe von 1500 Fuss über dem Meere bis zu einer
solchen von etwa 600 Fuss nach unserer Nachtstation Potts-
ville, hinab. Unterwegs hielten wir einmal auf der Höhe des
Gebirges an, wo die Kohle, wohl 1200 Fuss über dem Meere
an beiden Seiten des Bahneinschnittes zu Tage trat.
Die Bahn erinnert an einigen Stellen durch kühne Auf
schüttungen und andere Kunstbauten an die Semmeringbahn,
umsomehr, als man an mehreren Stellen die Bahn über sich
sieht und einen Anblick geniesst, wie bei Payerbach. — Es
ist ein nur in Amerika mögliches Wunder, dass eine Privatcom
pagnie eine solche kostspielige Gebirgsbahn, ohne jede Staats
subvention und ohne dass auf einen Personenverkehr zu rech
nen wäre, baut, lediglich um ihre Kohlengruben angemessener
verwerthen zu können. Freilich zeichneten sich die Anlagen
durch zweckmässige Einfachheit aus und zeugten somit am
besten für das Genie unserers Führers, des Herrn Lorenz —
nebenbei bemerkt, eines in Hannover geborenen und dort ausge
bildeten Technikers — der sie mit seinen Unterbeamten ge
baut hat, sowie von dem richtigen kaufmännischen Sinne der
Gowen’schen Direction, welche Mittel zur Construction des
grossartigen Unternehmens beschaffte.