thumbs: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Sehr viel hängt davon ab, wie feindliche Privatschiffe behandelt werden. 
So hielt sich Franl^eich z. B. im Jahre 1870 an die Abmachungen des Pariser 
Kongresses und respektierte auf Grund dieser Privateigentum des Feindes zur 
See nicht, weshalb die Deutschen nach dem Kriege Entschädigungen für 
die geschädigten Reeder eintrieben. Die Deutschen ihrerseits hatten dagegen 
bereits am 18. Juli 1870 durch eine Verordnung die Erklärung abgegeben, daß 
sie französische Handelsschiffe nicht wegnehmen würden.®®) In früheren Zeiten 
wurde die Situation besonders dadurch erschwert, daß Kaperei betrieben wurde, 
indem Privatschiffen sogenannte Kaperbriefe ausgestellt wurden. Wie weit 
sich moderne Staaten zu einem solchen Verfahren entschließen würden, kann 
man schwer absehen, doch geht die allgemeine Tendenz dahin, dem Privat 
eigentum möglichst weitgehenden Schutz angedeihen zu lassen. 
Im Kriegsfall werden regelmäßig für Produkte, die zur Kriegführung be 
nötigt werden, Ausfuhrverbote verhängt.®^) Auch wird der Export von Lebens 
mitteln eventuell eingeschränkt oder ganz sistiert. Es wäre auch zuviel von 
der Bevölkerung verlangt, wenn sie eventuell hungernd mitansehen müßte, wie 
Butter, Geflügel und Eier außer Landes gehen.®®) Daß man die Durchfuhr 
von Kriegsmaterial verhindert, ist selbstverständlich. Manchmal genügen an Stelle 
der Ausñihrverböte entsprechend hohe Ausfuhrzölle.®®) Auch die Herabsetzung 
von Einfuhrzöllen für bestimmte Artikel kommt in Betracht, ebenso werden weit 
gehende Änderungen der Bahntarife häufig vorgenommen. Die Wirkungen 
dieser Maßregeln sind im allgemeinen denen in Friedenszeiten analog und dürften 
nicht allen beteiligten Unternehmungen zum Vorteil gereichen. Ausfuhner- 
bote für Lebensmittel können zur Folge haben, daß sich der Preis auf einer 
mäßigen Höhe hält und die Landwirte weder Vor- noch Nachteil haben. 
Die Veränderung auf dem Arbeitsmarkt wird in jedem Kriege eine 
erhebliche sein. Die Wirkungen sind aber auf den einzelnen Gebieten sehr 
verschieden. Industrien, welche infolge der anfangs meist eintretenden Absatz 
stockungen ohnedies Arbeiter entlassen müßten, werden vielfach mit den ihnen 
übrig bleibenden Arbeitern gerade ihr Auskommen finden. In Industrien, 
welche für die Heeresverwaltung arbeiten, kann es dagegen gerade an Arbeitern 
fehlen. Hohe Arbeitslöhne sind hier nichts Seltenes. Sie werden von den 
Unternehmern im allgemeinen durch erhöhte Preise wieder hereingebracht. 
Auch andere Industrien, die aus den oben angeführten Gründen mit einer Pro 
duktionserweiterung rechnen müssen, werden Schwierigkeiten haben. Insbe 
sondere pflegt die Beschaffung gelernter Arbeiter bestimmter Kategorien nicht 
leicht zu sein. Soweit die Heranziehung ausländischer Arbeiter untunlich er 
scheint, wird man vielfach statt der Handarbeit in ausgedehntem Maße Ma 
schinenarbeit verwenden können.®®) Zur Bedienung der Maschinen kann man 
aber auch Frauen, jugendliche Arbeiter und Greise, sowie 
überhaupt ungelernte Arbeiter eher verwenden. Auf manchen Ge 
bieten braucht man nur die Maschinen, welche man in Friedenszeiten aus Angst 
vor Überproduktion feiern ließ, in Gang zu setzen, um den Mehrbedarf zu decken. 
Wenn auch an sich die Entlassungen von Arbeiter auf der einen Seite den. 
Neueinstellungen auf der anderen die Wage halten können, so dürfen wir doch 
nicht vergessen, daß z. B. Betriebe, welche viele Frauen beschäftigen, diesel^n 
entlassen, während man z. B. in den Bergwerken kräftige Männer benötigt. 
Besonders fühlbar wird sich häufig der Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern 
®®) Vgl. L. W. Lewis, Die Entschädigung der deutschen Reederei nach 
dem Deutsch-Französischen Kriege. Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung 
und Rechtspflege des Deutschen Reiches. III. S. 414. Vgl. aucn VöIcker, 
a. a. O. S. 62 ff. 
®7) So von Deutschland 1870/71 für Kohle; vgl. Völcker, a. a. O. S. 88, 
J. Rieß er. Finanzielle Kriegsbereitschaft und Kriegführung. Jena 1909, S. 72. 
®®) Vgl. Unruhen in Rouen, „Der österreichische Ökonomist“. 1870, S. 526. 
®®) Vgl. J. R i e ß e r, a. a. O. S. 73. 
®®) Es kommt vielfach sogar geradezu zur Einführung völlig neuer Hilfs 
maschinen. So während des Krieges 1870/71. Vgl. Völcker, a. a. O. S. 52.
	        
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