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schon im Februar anbauen. Für die Feldarbeit hat man volle
zehn Monate, und in manchen Jahren das ganze Jahr Zeit,
man braucht also wenig Zug\deh im Verhältnisse zur zu be
bauenden Fläche des Ackers und für dieses nur sehr leicht
gezimmerte Ställe, das heisst Schuppen, die nur eine Bretter
wand nach Norden und ein Bretterdach haben, sonst aber
vollkommen offen sind. Rindvieh und Schafe werden gar
nicht gestallt, ausser von einigen Deutschen, des Düngers
wegen, hie und da auch ein paar Milchkühe. Die Prairie ist
theilweise eben, gegen Norden hin aber „rollend“, d. h. wellen
förmig, hügelig. Stellenweise ist sie kahl, meist jedoch nicht,
und zwar hat man Wald, der sich zwischen die baumlosen
Flächen hineinschiebt, und auch Hügellandschaften, die spär
lich mit Bäumen, reichlicher mit Gesträuch bewachsen, doch
nicht mit Dickicht besetzt sind und Raum für Graswuchs zur
Viehweide lassen. Das Gesträuch giebt dem Vieh Schatten,
und die Blätter des Mesquitostrauches, der hier vornehmlich
wächst und bis 20 Fuss hoch wird, sowie dessen bohnenartige
Frucht, gewähren den Rindern und Ziegen Nahrung in der
trockenen Jahreszeit und im Winter.
Bei Weitem das meiste Land ist anbaufähig, die steinigen
Hügel aber sind es nicht. Es kann jedoch keinem Zweifel
unterliegen, dass Texas mehr Producte des Ackerbaues und
der Viehzucht jährlich hervorbringen kann, als die Eingangs
genannten Länder Centraleuropas, denen es an Umfang gleich
kommt. Es hat eben keine Gebirge und wenn es im Nord
westen auch nur Weidegrund enthält, so ist der Süden dafür
um so fruchtbarer. Ausserdem steht es keineswegs fest, dass
der Nordwesten für Ackerbau immer ungeeignet sein und
bleiben wird, da man ‘dasselbe noch vor zwei Jahrzehnten
von ganz Kansas annahm, dessen östliche Hälfte jetzt, wenn
nicht zu den besten, so doch mindestens zu den Ackerbau-
districten mittlerer Güte von Amerika gehört. Vorläufig frei
lich wird man kaum den Versuch machen, diesen Theil des
Landes anders als mit Viehzucht auszunutzen, denn es ist im
Osten und Süden ja noch so sehr viel zweifellos anbaufähiger
Boden vorhanden. Trotz der sehr dünnen Bevölkerung stieg