Descartes.
sie — wie wir nunmehr zu verfolgen haben — in ihren ersten
Schritten noch völlig der „Methode“ treu bleibt, aus der sie er-
wachsen ist. —
I. Die Metaphysik.
Wenn wir uns von den ersten Sätzen der „Regeln“ zu der
Grundlegung der Metaphysik hinüberwenden, die Descartes in
len „Meditalionen“ vollzieht, so tritt uns die innere Verwandt-
schaft beider Betrachtungsweisen alsbald in bezeichnenden Einzel-
zügen entgegen. Es ist, wenngleich in verschiedener Fassung,
ein und derselbe Grundgedanke, der uns hier von Anfang an
begegnet; — ja fast scheint es, als walte er jetzt noch unum-
schränkter, als habe er durch die Loslösung von jedem bestimmten
wissenschaftlichen Inhalt noch grössere Freiheit und Weite ge-
wonnen, Die mathematische Analysis Ichrte uns, dass wir, um
ine bestimmte Schwierigkeit zu lösen, von der genauen Zer-
gliederung der Frage ausgehen müssen, dass wir keine fremde
und äussere Hülfe suchen, sondern hier allein, in der Zerlegung
der Aufgabe in ihre Teilbedingungen, die Lösung erwarten dürfen.
[st erst das volle Verständnis des Problems erreicht, so ist
damit bereits der Weg der Forschung eindeutig vorgeschrieben.
;S. ob. S. 384.) Man braucht diesen Gedanken nur ins Allgemeine
zu wenden, um den bekannten Anfang der Cartesischen Metaphysik
vor sich zu haben. Aus dem Zweifel muss die erste fundamentale
Wahrheit quellen; indem sie sich selber in Frage stellt, muss die
Erkenntnis zur ersten, unverbrüchlichen Gewissheit ihrer selbst ge-
langen. Die „Regeln“ sprechen es in Hinblick auf die Sokratische
Grundfrage aller Philosophie aus: dass das Bewusstsein des Nicht-
wissens die zweifellose Veberzeugung eines Unterschiedes von
Wahr und Falsch in sich enthält und verbürgt.®) Und allein
in diesem Sinne haben wir auch zu Beginn der „Meditationen“
len an sich vieldeutigen Begriff‘ des Denkens zu verstehen.
Nicht das Sein des Denkenden, sondern das des Gedankens gilt
2s hier zu begründen; nicht eine Existenz soll bewiesen,
sondern ein Kriterium und ein Wertmaassstab soll erschatten