402 Zehntes Buch. Drittes Kapitel.
Kreuzrufes. Aber vergebens predigte man in Polen, vergebens
in Deutschland die fromme Fahrt; erst in den Jahren 1222
und 1228 kamen größere Heere zusammen, auch sie, ohne
dauernd zu nützen. Es war klar, man bedurfte eines ständigen,
militärischen, ritterlichen Organs zu Verteidigung und Angriff.
In Polen war es nicht zu finden. So ward der deutsche
Orden berufen.
Der Orden der Ritter des Hospitals St. Marien der
Deutschen zu Jerusalem war aus kleinen Anfängen erwachsen.
Im Jahre 1191 als Hospitalorden zu Accon päpstlich bestätigt,
im Jahre 1198 von deutschen Fürsten in einen geistlichen Ritter—
orden nach dem Beispiel der Johanniter umgewandelt, hatte er,
wie in Palästina, so in Unteritalien und Deutschland unter
der doppelten Gunst der Kaiser und Pöpste rasch Fuß gefaßt.
Darüber hinaus erschienen die neuen Ordensritter im weißen
Mantel mit dem schwarzen Kreuz seit dem Jahre 1211 im
Burzenlande, in der äußersten Südostecke Siebenbürgens, vom
Ungarnkönig Andreas II. zum Schutz der eingewanderten
deutschen Kolonisten gegen die heidnischen Kumanen berufen!:
es war die Vorschule zu der um Vieles größeren Wirksamkeit,
die ihrer nunmehr in Preußen harrte.
Die Einführung im Norden vermittelte Hermann von Salza,
vielleicht der größte Politiker unter allen Hochmeistern, die der Orden
besessen hat. Gleich befreundet mit Kaiser Friedrich II. wie mit
dessen päpstlichen Gegnern, wußte er die Lage des Ordens in
Preußen zu einer von dem polnischen Reiche wie der polnischen
Kirche gleich unabhängigen zu gestalten, wirkte ihm den Besitz des
Kulmerlandes aus, und veranlaßte den Kaiser zu einem Privileg,
das dem Orden dies Land wie alle künftigen Eroberungen als
ein Fürstentum des römischen Reiches zusicherte (1226).
Es war die Verselbständigung der deutschen Politik, der
Anfang der Germanisation im Binnenland des äußersten Ostens.
Von nun ab schritt der Orden über die Einwendungen der
polnischen Herrscher wie über die Klagen der alten polnischen
1S. oben S. 380.