Vordringen des öffentlichen Betriebs
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fchaftliche Leistungsfähigkeit des privaten Betriebs ver
gleichen mit der des öffentlichen, an dessen Spitze staatliche Beamte
stehen, deren leitendes Motiv nicht in dem unmittelbaren persön
lichen Interesse, sondern in den Motiven der Pflichttreue und Ge
wissenhaftigkeit, des Ehrgeizes usw. liegen. Da kann kein Zweifel
bestehen, daß der öffentliche Betrieb auch heute noch, genau so wie
zur Zeit von Adam Smith, es an Billigkeit der Produktion nicht
mit dem privaten aufnehmen kann. In einem Teile der modernen
deutschen nationalökonomischen Literatur wird das allerdings be
stritten. Da werden die Dinge so hingestellt, wie wenn dieser Satz
durch die Erfahrungen des letzten Jahrhunderts mit dem öffent
lichen Betrieb widerlegt sei. Die öffentliche Unternehmung soll
heute, so wird uns nicht selten versichert, der privaten auf vielen
Gebieten wirtschaftlich ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen ge
worden sein. Vas soll durch das Vordringen des öffentlichen Be
triebs auf dem Gebiete des Verkehrswesens, in der Gas-, Wasser-
und Elektrizitätsversorgung der großen Städte usw. während der
letzten Jahrzehnte klar erwiesen sein.
Diese Behauptung nötigt uns, etwas näher auf Umfang und Ur
sachen des erneuten Vordringens des öffentlichen Betriebs in der
Gegenwart einzugehen?«) Als Ende der siebziger Jahre im Anschluß
an die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Deutschland und an
deren Ländern in Wissenschaft und Praxis eine dem öffentlichen
Betrieb sehr günstige Stimmung aufkam, da gab man sich in großen
Kreisen außerordentlich weitgehenden Hoffnungen hin, welche Ge
biete die öffentliche Unternehmung künftig noch erobern werde.
Diese Erwartungen haben sich bisher nicht erfüllt und werden sich
wohl auch nicht erfüllen. Die Praxis der Verwaltung hat sich trotz
dem eifrigen Zureden mancher Theoretiker nicht zur Überschreitung
bestimmter Grenzen verleiten lassen. Diese Grenzen hat sie gleich-
36) Ausführlicher habe ich den Gegenstand in einem Aufsatze der von mir
herausgegebenen „Zeitschrift für Sozialwissenschaft", Jahrg. 1918, §. 133fs.
behandelt, aus dem hier das wichtigste wiederholt wird.