Kapitel I. Die Optimisten.
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Wir haben schon auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß in den
Vereinigten Staaten das Wachstum des Reichtums viel schneller als das
der Bevölkerung vor sich gegangen ist (s. o. S. 142). Und das Beispiel
der gleichzeitigen Entwicklung Deutschlands in den letzten 30 Jahren,
sowohl was Bevölkerung als was Reichtum anlangt, ist noch viel auffälliger.
Aber auch hierin unterliegt die Theorie Carey’s über die Bevölkerung
der gleichen Kritik, wie die über die Rente, nämlich, daß sie, wenn sie
auch bis zu einer gewissen Dichtigkeitsgrenze unbestreitbar richtig
ist, doch nicht zu dem Glauben berechtigt, daß sie es auch darüber hinaus
and bis ins Endlose sein wird. Man kann nur sagen, daß dieses Maximum
noch in keinem zivilisierten Lande überschritten worden ist, und daß
insoweit die MALTnus’schen Befürchtungen nicht gerechtfertigt worden
sind. Aber nichts erlaubt die Annahme, daß jene Befürchtung zur Wirk
lichkeit geworden wäre, wenn nicht die willkürliche Einschränkung der
Geburtlichkeit, das Wachstum der Bevölkerung und der Unterhaltsmittel
auf gleicher Höhe gehalten hätten.
Mit dem Namen Bastiat’s wird sehr oft der Dunoyer’s in Verbindung
gebracht, von dem wir schon Gelegenheit hatten, in diesem Kapitel zu
sprechen 1 ). Er war einer der streitbarsten Vorkämpfer des politisch
wirtschaftlichen Liberalismus, und zwar auf Grund seines absoluten
Glaubens an die freie Konkurrenz und seiner Überzeugung, daß sie aus
reiche, um die soziale Frage zu lösen 2 )- Nach seiner Ansicht beruhen die
Übel, die man ihr zuschreibt, nur darauf, daß die freie Konkurrenz erst
unvollkommen verwirklicht ist. Niemand stand daher dem Staats
sozialismus und dem Interventionismus unter allen seinen Formen, Ar
beitergesetzgebung, Schutzzoll, Reglementierung des Eigentums, sei es
au ch nur des Forsteigentums, feindlicher gegenüber als er. Wir haben
schon darauf hingewiesen, daß er sogar der freien Assoziation feindlich
gesinnt war, insoweit als sie der Konkurrenz der Individuen hinderlich ist.
In logischer Übereinstimmung mit seiner Überzeugung ist er für die
ubsolute Testierungsfreiheit, ohne sie durch irgendwelche Vorbehalte zu
gunsten der Erben zu beschränken, aber er lehnt das Recht ab, Nach-
er ben festzusetzen, denn diese dem Erblasser gewährte Freiheit wird not
wendigerweise zu einer Beschränkung der Freiheit seiner Erben 1 ).
^twicklung andererseits, deren Wirkung darin bestehen soll, die Vermehrung der
evölkerung in geradem Verhältnis zum Fortschritt der Zivilisation automatisch zu
v «langsamen.
') Charles Dünoyer’s Buch La Liberty du travail, von dem wir schon ge
sprochen haben (s. o. S. 352ff.) erschien zuerst 1825; die letzte Ausgabe ist von 1845.
^ hat daher vot Bastiat geschrieben. Er leistete unter der Restauration aktiven
'derstand, wurde später Präfekt und dann unter Louis-Philippe Staatsrat.
’j Es ist das übrigens dieselbe These, die späterhin Molinari aufgestellt hat.
) Im Falle einer Erbfolge ab intestato ist er für gleiche Teilung. Die Gründe,