Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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ihrer bisherigen Bahn geschleuderten Frauen eine Arbeit zu ver 
mitteln, die verhältnismäßig leicht erlernbar tvar und in der eigenen 
Behausung verrichtet tverden konnte? So setzte hier ebenso wie aus 
dem Gebiet der Kindergärten und -horte ein wahres Gründungs 
fieber ein. Die gemeinnützigen Nähvereine wuchsen allenthalben 
wie Pilze aus der Erde. Neben großen, gut geleiteten Unterneh 
mungen, die zum Teil schon auf die Zeit vor dem Kriege zurück 
gingen, erstanden eine Unzahl kleiner leistungsschwacher neuer Aus 
gabestellen. Schlimm genug war's, wenn sie von ganz dilettan 
tischen Kräften geleitet wurden, schlimmer, wenn persönlicher Ehr 
geiz sich auf diesem Gebiete anstun wollte und die Frau Apotheker 
in dem kleinen Landstädtchen nicht ruhen ließ, bis sie der Frau 
Pastor eine Konkurrenzunternehmung vor die Nase gesetzt hatte, 
am schlimmsten aber, wenn sich gar Erwerbsgelüste unter ldem 
Deckmantel der Gemeinnützigkeit verbargen. Es darf nicht ver 
schwiegen werden, daß sogar angesehene Frauenvereine sich nicht 
scheuten, ihre Nähstuben lediglich als milchende Kuh zu betrachten 
und die Arbeit unter Einbehaltung eines erklecklichen Gewinns an 
Zwischenmeister weiterzugeben. Völliger Mangel an sozial 
politischem Verständnis ließ manche Nähstuben nicht einmal die ein 
fachsten sozialen Pflichten der Arbeitgeber erfüllen. Statt die 
Frauen möglichst der Heimarbeit fernzuhalten, züchteten sie sie 
wohl gar künstlich heran. Das Fehlen guter geschäftlicher Organi 
sation und die Zersplitterung in viele kleine Einzelbetriebe, die 
ohne Fühlung miteinander das Gebiet abgrasten, verteuerte -den 
Geschäftsbetrieb, gab bei der Uneinheitlichkeit in der Behandlung 
der Arbeiterinnen zu vielen Mißhellrgkeiten Anlaß und forderte 
geradezu die Frauen heraus, sich an den verschiedenen Stellen 
Arbeit zu verschaffen, um diese zu wesentlich niedrigeren Löhnen 
weiterzugeben. Wieweit diese Zersplitterung ging, ergeben zum 
Beispiel die Ermittlungen des Regievungspräsidenten in Cöln; in 
Cöln selbst wurden nicht weniger als 16, in Bonn 6, und selbst 
in einer kleinen Gemeinde wie Gummersbach 8 Ausgabestellen für 
Heimarbeit gezählt. Die große Kräfteverschwendung machte sich 
nicht nur bei der Ausgabe der Arbeit empfindlich bemerkbar,
	        
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