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ihren Bedarf zu decken. Andererseits finden hier auch die großen Leder
auktionen statt, jeder kann den großen Markt besuchen, sowohl zur
Befriedigung seines Bedarfs, als zur Unterbringung seiner Produktion.
Das dritte Moment endlich, welches die Lebensfähigkeit dieser
Gerber ermöglicht, liegt in der Natur des weißgaren Produktes; denn
trotz der Überlegenheit des Chromleders gegenüber dem gewöhnlichen
weißgaren, speziell in bezug auf Wasserdichtigkeit und Widerstandsfähig
keit gegen Feuchtigkeit, ist es die schöne weiße Farbe des Leders, welche
kein anderes Produkt der Lederindustrie bisher aufzuweisen hat, und
welche die Hervorbringung der reinsten und zartesten Farben auf dem
selben ermöglicht*). Der Kampf der Produktionsprinzipien
untereinander, welcher in § 14 dargestellt wurde, ist nach seinem je
weiligen Stande natürlich entscheidend über das Stehen und Fallen des
Gewerbes überhaupt.
Eine letzte Art der Weißgerberei endlich, welche wir kennen gelernt
haben, ist die Glace gerb er ei; über ihre Einführung wurde schon früher
gehandelt Für sie gilt alles das über die Weiß- und Rotgerberei
Gesagte, mit welcher sie in allen Punkten eine außerordentliche Ähnlich
keit besitzt; sie hat nur noch eine im allgemeinen viel größere Neigung,
sich den Fabriken, welche ihre Produkte verbrauchen, in der Form der
Kombination anzuschließen, nämlich der Handschuhindustrie. Kombiniert
mit dieser wurde sie schon nach Deutschland importiert; daher ist die
Handschuhindustrie in Deutschland wohl das erste Ledergewerbe gewesen,
in welchem die Vereinigung der verschiedenen Stufen der Produktion
stattgefunden hat, und ihr enger Anschluß an die Handschuhindustrie
ist auch die Ursache, warum sich jedes dieser beiden Gewerbe für sich
ziemlich schwierig betrachten läßt. In völliger Analogie mit den Weiß-
und Lohgerbern ist das Vorkommen der Glacegerber beschränkt auf die
Plätze großer Nachfrage und großer Produktion, also entweder gemischt
mit vielen Weiß- und Rotgerbern, oder im Anschluß an die Hauptsitze
der Handschuhfabrikation. Hin und wieder treten in den Adreßbüchern
aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts „Weißgerber" in
größeren Städten auf, und diese entpuppen sich häufig als Glacegerber,
welche sich nicht selten sogar zu Handschuhfabriken weiter entwickeln.
Die Lebensfähigkeit dieses Handwerks hängt ab von den gleichen
Momenten, wie die des Weiß- und Rotgerberhandwerks; außerdem er
scheint das Handwerk der Glaccgerber gefährdet hauptsächlich aus seiner
Neigung zur Kombination, indem nämlich die großen Handschuh
fabriken die kleinen Existenzen aufsaugen, wobei dann diese geschickten
Arbeiter ein gutes, sicheres und von Konjunkturschwankungen sehr nu
tz Gerbercourier 1906, Nr. 15. tzVgl. S. 208ff„ 245—246. tzVgl.S.35.