Full text : Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Kösnigtums. 623

Mächten, die vornehmlich um Schonen tobten, hatten diesen
Zustand im Laufe des 17. Jahrhunderts nicht zu ändern,
sondern nur noch mehr zugunsten der Schweden zu verschieben
dermocht.
Lag es nun in diesem Verlauf der Dinge für Schweden
nicht nahe, in den Gottorpern Bundesgenossen zu gewinnen,
um imstande zu sein, Dänemark auch vom Süden her zu
packen? Durch verwandtschaftliche Verbindungen zwischen den
Herrscherhäusern wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts ein
enger Zusammenhang hergestellt; König Karl Gustav heiratete
eine gottorpische Prinzessin; dann ist die älteste Tochter
Karls XI., eine Schwester also Karls XII., mit Herzog Friedrich
von Holstein-Gottorp vermählt gewesen. Seit dieser Zeit war
natürlich kein Zweifel mehr: Schleswig und vor allem Holstein
waren wie ein Pfahl im Fleische Dänemarks; und vergebens
hatte König Christian V. zweimal, im Jahre 1689 und im
Jahre 1696, diese Lage durch gewaltsamen Einbruch in
Schleswig-⸗Holstein zu ändern gesucht.
Man sieht: diese unbequemen Verhältnisse hingen um das
Jahr 1700 schließlich in hohem Grade von Schweden ab:
waren eines der Zeichen des noch immer bestehenden schwedischen
Dominium maris baltici. In der Tat, die schwedische See—
herrschaft, wie sie auf dem Besitze der finnischen Küsten und
Livlands, Vorpommerns und Wismars, ja auch noch Bremens
und Verdens beruhte, war noch immer ungebrochen. Ein um
so bemerkenswerterer Zustand, als er im Grunde auf nichts
als auf einem bösen Ausbeutungssystem gegenüber den unter—
worfenen Küstenländern beruhte: von ihnen flossen Leistungen
und Gefälle in dem Herrenlande zusammen, in ihnen wurde
durch Landschenkungen der schwedische Adel für seine Dienste
bezahlt gemacht. Gewiß hätte sich dies System, wie alles ge—
schichtlich vornehmlich Negative, an sich nicht lange erhalten
können: schon früh in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts,
wenn nicht früher, klagte man in Schweden trotz aller Siege
über Verarmung des Landes und Rückgang des Wirtschaftslebens
 überhaupt mit allen seinen traurigen Folgen; und selbst
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