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Milch und Molkerei-Erzeugnisse.
dazu vielmehr his zu 3 Tage erforderlich seien. Er schlägt daher, ebenso wie
W. Thörner und A. Schlicht, vor, den Schmutz durch Zentrifugalkraft aus der
Milch auszusondern, und verfährt folgendermaßen:
300 g Milch werden in etwa 8 starkrvandige Reagensgläser gebracht und in
einer geeigneten Zentrifuge 5 Minuten lang bei einer Tourenzahl von 2000 in der
Minute geschleudert. Alsdann hat sich sämtlicher Schmutz zu Boden gesetzt. Die
auf der Oberfläche befindliche Eahmschicht wird mit Hilfe der Spritzflasehe heraus
gespritzt und darauf, ohne den Schmutz aufzurühren, mittels eines am kürzeren
Ende umgehogenen Hebers die Milch bis auf einen kleinen Eest — bis auf etwa
1 cm Entfernung vom Boden — entfernt. Darauf bringt man sämtliche Milchreste
mit dem darin aufgerührten Schmutze quantitativ in eines der Eeagensgläser und
zentrifugiert und hebert in derselben Weise wie vorher ab. Darauf filtriert man
den Schmutz durch ein gewogenes Allihnsches Eöhrchen mit Asbestfilter, wäscht
nach, bis das Waschwasser vollkommen klar ist, trocknet das Eöhrchen hei 105°
und wägt.
W. Thörner und A. Schlicht 1 ) verwenden besondere Meßröhrchen, welche
nur 50 ccm Milch fassen und die im unteren verjüngten Teile eine Skala haben, an
der das Volumen des Schmutzes abgelesen wird.
Renk fand nach seinem Verfahren im Durchschnitt etwa 9,0—10,3 mg Schmutz
im Liter. A. Beythien und P. Bohrisch fanden für Dresden nach dem von
ihnen abgeänderten Stutzer sehen Verfahren in 40 Proben Wintermilch (Stall
fütterung) 2,7-—24,6 mg, im Mittel 6,3 mg und in 39 Proben Sommermilch (Weide
gang) 0—6,5 mg, im Mittel 2,6 mg Schmutz; 0. Bach 2 3 ) fand in der Milch von
Mainz bei 70 Proben 3—42 mg, die im Mittel gefundene Menge war etwa 10 mg.
Nach H. Lührig und F. Wiedmann, 8 ) die sich des Stutzerschen Verfahrens
bedienten und 2 Stunden absitzen ließen, werden vom Kuhkot etwa 10 °/ 0 als
Trockensubstanz wiedergefunden.
10. Bakteriologische Untersuchung der Milch.
Bezüglich der bakteriologischen Untersuchung der Milch muß auf die Literatur
verwiesen werden. Vergl. auch unter Trinkwasser.
11. Unterscheidung von erhitzter und nicht erhitzter (roher) Milch.
Infolge des in neuerer Zeit beim Auftreten von ansteckenden Krankheiten
vielfach vorgeschriebenen Erhitzens der Milch hat man zahlreiche Verfahren 4 ) zum
Nachweise von auf etwa 70° und höher erhitzter Milch bezw. zur Unterscheidung
von erhitzter und nicht erhitzter („roher“) Milch vorgeschlagen, die in folgende
beiden Hauptgruppen zerfallen:
а) Verfahren, die auf dem Nachweise des Albumins in dem vom Kasein befreiten
Serum der Milch beruhen. Nach M. Rubner 5 б ) setzt man zu der Milch so lange
Kochsalz unter häufigem Umschütteln hinzu, bis sich ungelöstes Kochsalz am Boden
') Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 343 u. 1903, 6, 552.
2 ) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 819. 0. Bach
bestimmte den Milohsohmutz in einem von ihm selbst konstruierten, an den Stutzerschen
sich anlehnenden Apparate.
3 ) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 204.
4 ) Eine kritische Übersicht über die vorgeschlagenen Verfahren lieferte M. Siegfeld
(Zeitschr. f. angew. Chem. 1903, 16, 764), der wir hier z. T. folgen.
б ) Hyg. Rundschau 1895, 5, 1021.