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Adolf Bleichert & Co., Leipzig.
Fabrik für den Bau von Drahtseilbahnen, Elektrohänge
bahnen, Verlade- und Transportanlagen.
Das Haus Bleichert ist mit der Entwicklungsgeschichte der Drahtseilbahnen und in
der Folge mit der der industriellen Transporteinrichtungen überhaupt eng verknüpft. Ge
wiß hat es, namentlich in der Zeit von 1860—1870 nicht an Versuchen gefehlt, Schwebe
bahnen zu bauen, doch erhoben sich die Ausführungen nicht über das handwerksmäßige
Niveau. Erst Adolf Bleichert hatte Erfolg, als er im Jahre 1870 mit seinem Drahtseil
bahnsystem hervortrat.
Bereits 1872 bot sich Bleichert Gelegenheit, seine Pläne und Entwürfe in einer im
Aufträge der Teutschenthaler Solaröl- und Paraffinfabrik erbauten Drahtseilbahn auszu
führen. Auf Grund der mit dieser Bahn erzielten Erfolge widmete er sich jetzt ausschließ
lich dem Drahtseilbahnbau und gründete im Juli 1874 die Firma Bleichert & Otto in
Schkeuditz, die späterhin nach Leipzig übersiedelte und im Jahre 1876 nach dem Aus
scheiden von Otto in die Firma Adolf Bleichert & Co. umgewandelt wurde.
Die Entwicklung des Unternehmens schritt schnell voran: Nach 7 Jahren konnte
die xoo. Bahn, Ende 1887 die 200., 1909 die 1000. Bahn und 1911 die 2000. gebaut werden.
Die Länge der erbauten Bahnen stieg von 66 km im Jahre 1880 auf 356 im Jahre 1890,
auf 913 im Jahre 1900 und auf 2000 km im Jahre 1910. Wenn auch die durchschnitt
liche Länge der Drahtseilbahnen sich im allgemeinen gleichgeblieben ist, nahm die durch
schnittliche Stundenleistung im Laufe der Jahre ganz unverhältnismäßig zu. Förderte
die einzelne Bahn im Jahre 1880 im mittel wenig mehr als xo t in der Stunde, so stieg diese
Leistung im Jahre 1890 auf 20 t, im Jahre 1900 auf 24 t und im Jahre 1910 auf 40 t.
Die gewaltige Entwicklung der Drahtseilbahnen, die heute bis zu 500 t Stundenleistung
und für Einzellasten bis zu 4,5 t gebaut sind, verlangte auch die Ausbildung aller Neben-
und Hilfseinrichtungen, so der maschinellen Verladeanlagen für die Beladung und Ent
ladung der Drahtseilbahnwagen, die Ausbildung von Kranen und anderen Transportmitteln,
die im eigenen Werke hergestellt, zu hoher Vollendung gebracht wurden. Unter den Um
ständen war schon 1889 eine Vergrößerung der Fabrik notwendig; die Arbeiterzahl war
auf 100 gestiegen, die Beamtenzahl auf etwas über 30. 1895 meldete dann die Firma
Bleichert ein Patent auf einen neuen Kuppelapparat an, der größere Arbeitsgeschwindig
keit und damit eine ganz bedeutende Leistungssteigerung der Drahtseilbahnen ermöglichte.
Damit wuchs die Ausdehnung des Geschäftes in ungeahnter Weise, so daß z. B. in dem
einen Jahre 1901 allein 100 Drahtseilbahnen erbaut wurden.
Die vorhandenen Fabrikanlagen reichten, als die Firma unter dem Namen der Elektro
hängebahn im Jahre 1905 ein völlig neues Transportmittel auf den Markt gebracht hatte,
bei dem jeder Wagen durch eingebaute Elektromotoren unabhängig von allen anderen
bewegt wird, schon bald nicht mehr aus, denn auch die Abteilung für Krananlagen, für
Becherwerke und Gurtförderer wuchs ständig. Daher mußte bereits im Jahre 1908 eine Ver
größerung der Fabrikanlagen auf das Dreifache vorgenommen werden, welcher Zunahme
im Jahre 1910/12 der Bau eines neuen achtstöckigen Bureaugebäudes unter gleichzeitiger
Vergrößerung der alten Räumlichkeiten folgte, als Vorläufer für eine weitere Ausdehnung
durch neue Fabriken, die im gleichen Jahre in Charkow in Rußland, in Wels in Ober-
Österreich und Neuß am Rhein errichtet wurden.
Einer solchen Ausdehnung entsprechend nahm auch die Zahl der Konstrukteure
und Beamten zu. Hatte diese bis zum Jahre 1903 150 betragen, so erreichte sie mit dem
Beginne des Jahres 1908 die Höhe von 460 und stieg im Jahre 1912 auf über 1000 Personen.
Die Zahl der Arbeiter, die 1903 nur 200 betrug, vermehrte sich ebenfalls; heute finden allein