90
II. Zivilrecht.
earta von der Erde aufzunehmen (cartam levare; vgl. ßnem levare im englischen Rechte,
Protest levieren im Wechselrechte), um sie dann dem Destinatär darzureichen. Die
Fotitüa ist schlichte Beweisurkunde, d. h. sie hat nur die Aufgabe, als Beweismittel
zu dienen, und ist daher im Tone eines Referates gehalten. Sie beurkundet entweder
gerichtliche Handlungen oder außergerichtliche Rechtsgeschäfte. Letzterenfalls ist das Rechts⸗
geschüft nicht etwa mittels der Urkunde, sondern unabhängig von ihr zustande gekommen.
Aussteller der notitia kann der Destinatär selbst sein. Die Zeugen der notitia sind nicht
Zeugen des Urkundungsaktes sondern des Rechtsgeschäftes, das vor der Beurkundung
zum Abschluß gelangt war. Eine Krmatio testium ist hier nicht erforderlich. Es genügt,
daß die notitias die Gegenwart der Zeugen zu einem Bestandteile des Berichtes macht,
den sie über die beurkundete Handlung erstattet.
Lex Salica. Pardessus, Loi Salique 1848. Waitz, Das alte Recht der salischen
Franken 1846 Gietet den Text auf Grund der vier Handschriften der ersten ggmitie mit einem An⸗
hang von Müllenhoff über die deutfchen Wörter der L. Salica. Merkel, Lex Salica 1850 mit
iner Vorrede von J. Grimm. er aliea hrsg von Behrend, 2. Aufl. 1897. Lex 8Salica
um akademischen Gebrauch hrsg. und erlaͤutert von Heinrich Geffcken 1898. Die auf umfassendster
dandschriftenvergleichung beruhende Ausgabe ist eögels, Lex Salica: the ten texts with the
Aosses and the lex einendata synoptisch mit Erläuterungen über die fränkischen Wörter der Lex
5 8. Kern, London 1880. Acht einzelne Handschriften druckte in sechs Heften ab Alfred Holder,
Dex Salica 1879/80. Van Hellen, Zu den Malbergischen Glossen in den Beiträgen zur Geschichte
der deutschen Sprache, XXV, 228 ff.
I Ribnria. Sohm in den Mon. Germ. Leges V, und davon ein Textabdruck in 80
1888. Synoptisch mit der Lex Salica bei Laspey res, Lex Salica 1838.
Tex fFrancorum CGhamavorum. Ausg. So hin in den Mon. Germ. Leges V und in der
Textausgabe der Lex Ribuaria,
eres Hamannorum. Mexkel in, den Mon. Gerw. Leges III und neuerdings in der
Quartausgabe der Leges VI von Karl Lehmann.
rrorunn. Dierkel in den Mon. Germ. Leges III.
Tex Thuringorum. Karl Fr. v. Richthofen in den Mon. Germ. LL. V.
I a on. Karl FIr. v. Richtho fen in den Mon. Germ. LI. V.
Te Frisiorum. Karl Fr. v. Rich thofen in den Mon. Germ. T. III. Einen Abdruck
in 80 ließ die societas frisiaca 1866 besergen Patetta, La Lex Frisionum, Studii sulla sua
riginee sulla critica del testo gga Memorie della reoale Accad. delle scienze di Torino,
Jene II, tom. 48) mit einem kritischen Abdruck des Textes S. 70 -90.
Ausgaben der Kapitularien und ihrer Sammlungen: Baluze, Capitularia regum Francorum
1677 und Pertz in den Mon. Germ. . ĩ. Hct Ruckficht auf die Unzulänglichkeit dieser Aus⸗
Jaben wurden die Kapitularien in den Non. Germ. aufs neue ediert als Legum sectio U, Capi-
Miaris roegom Francorum 1.1888 (bis 827) cu Poretius Il isoq ed. Boretius et Kra use
mit einem umfangreichen Sachregister.
Formelsammlungen und Urtunden. Eine Ausgabe der einzelnen Formelsammlungen in Mon.
Zoerm. LI. cctio vᷣ Formulae Merowingiei et Tarolipi vnevi éd. Zeumer 1886. Eine
ystematisch angelegte Sammlung der Formeln bietet: Roziere, Recueil général des formules
usitées dans Vempire des Franes 8 öννι. Die merowing. Konigsurkunden sind in
nicht tadelfreier Ausgabe abgedruckt bei K. Per tz, Mon. Germ. hist. Dipl. JI 1872. Königs- und
Privaturkunden der merowing. veit bei Pardessus, Diplomata.. ad res Gallo-Francicas
ꝓpeoctantis prius collecta a De réquigny 2 vol. 1848. Die karoling. Königsurkunden verzeichnen
a achereVohmer Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern 1889, in 2. Aufl.
ei
8 14. Fortsetzung.) Als ein Teil der Westgoten, als Burgunder und Lango⸗
harden unter fränkische Herrschaft kamen, blieb ihnen ihr nationales Recht.
Im westgotischen Reiche war die Gesetzgebung für Goten und Römer ursprünglich
eine getrennte, später eine gemeinsame. Sie Gosen erhielten ein Gesetzbuch schon von
Konig Eurich (466—.484). Es entstand wahrscheinlich um das Jahr 178 und sollte
nicht bloß für Streitigkeiten zwischen Goten, sondern auch für solche zwischen Goten und
Römern gelten. Leider ist es uns nur fragmentarisch überliefert. Eurichs Gesetzbuch
war bahnbrechend in der Geschichte der germanischen Gesetzgebung. Es ist nicht nur das
alteste Gesetzbuch der germanischen Welt, sondern wurde in den meisten übrigen Volks—
rechten der merowingischen Heit benutzt, so insbesondere im salischen, im burgundischen,
im' langobardischen, namentlich aber im bayrischen Volksrechte.
Der Wesigotenkönig Leovigild (F 586) aahm eine Revision der Leges Lurici vor
m Sinne riner Ausgleichung der zwischen Goten und Römern bestehenden Gegensätze.