Full text: Die österreichisch-rumänische Zollfrage

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Es würde den Rahmen unserer Schrift überschreiten, 
wollten wir die Depression in unseren wirthschaftlichen Ver 
hältnissen genauer beleuchten; bezüglich des Cerealienhandels 
haben wir ja schon im vorhergehenden Abschnitt Einiges 
mitgetheilt, und im Anhang werden überdies Ausweise über 
den Aussenhandel Oesterreichs, speciell mit Rumänien 
während der letzten Jahre, Platz finden. 
Wird also ein neuer Zoll- und Handelsvertrag mit 
Rumänien zu Stande kommen, so müssen hierin zum 
Theil Aenderungen gegen den früheren eintreten. Diese 
würden unseres Erachtens in Schutzmassregeln auf indu 
striellem und landwirtschaftlichem Gebiete, wie auch in 
einer zweckmässigen Regelung unserer Verkehrsbeziehungen 
zu Rumänien, also in tarifpolitischen Massnahmen zu 
suchen sein. 
Was erstlich die Industrie betrifft, so können wir uns 
mit der Hohe der bisher in Geltung gewesenen Einfuhrszölle 
Rumäniens keineswegs zufrieden erklären. Die Tarife des 
Handelsvertrages vom Jahre 1875 sind vielfach zu hoch 
bemessen. Die Zusicherung des Meistbegünstigungsrechtes 
ka; n uns aber nicht genügen. Warum auch, da doch keiner 
der übrigen Staaten so viel wie wir von Rumänien zu 
erreichen im Stande ist?! Wozu sollten wir darauf warten, 
ob nicht etwa einer der andern Staaten niedrigere Tarif 
positionen in Rumänien erlangen werde, als wir sie erreich 
ten? Dieses Sichgenügenlassen mit dem einfachen Meist 
begünstigungsvertrage Rumänien gegenüber kann für alle 
anderen Staaten Europas eher als für uns taugen. Denn 
diese können dann dadurch participiren an allen denjenigen 
Zugeständnissen, die wir Rumänien gegenüber beanspruchen 
können kraft, der günstigen Lage unseres Landes. 
Oesterreich-Ungarn muss also (wie es kaum von Jeman 
dem bestritten werden dürfte) das ganze Gewicht seines Ein 
flusses darauf legen, einen Tarifvertrag mit Rumänien 
abzuschliessen unter gleichzeitiger reciproker Gewährung des 
Meistbegünstigungrechtes.
	        
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