Full text: Schutz dem Arbeiter!

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Bezüglich des gesundheitlichen Einflusses der regelmäßigen 
Fabrikarbeit führt Dr. Schuler in seinem bereits mehrfach angezoge 
nen Referat für den VI. internationalen bygienischen Congreß zu Wien 
(1887) aus : 
»Zur Zeit der Menstruation, der Schwangerschaft, nach dem Wochenbett ist die Ein- 
pfänglichkeit der Frau für alle krankmachenden Einflüsse gewaltig gesteigert. Das zeigt 
sich in der großen Morbidität der in Fabriken arbeitenden Frauen. Sie verhalt sich 
nach unsern schweizerischen Erfahrungen in denjenigen Industrien, wo Männer und Frauen 
gemeinsam arbeiten, für die beiden Geschlechter wie 127: 100, die Zahl der auf die ein 
zelne Arbeiterin jährlich entfallenden Krankheitstage, verglichen mit der Ziffer für die 
Männer, ist 150:100, die Dauer der einzelnen Erkrankungen stellt sich wie 117:100. 
Dieses Verhältniß gestaltet sich auffallender Weise noch ungünstiger, wenn man die Er 
krankungs-Frequenz der jugendlichen weiblichen und männlichen Arbeiter unter 18 Jahren 
vergleicht; es ergibt sich 174: 100. Speciell in der Baumwollspinnerei sind die 
entsprechenden Verhältnißzahlen 156 : 100." 
Durch Anlage und Beruf ist die Frau auf's „Haus", auf die Fa 
milie angewiesen; hier liegt die eigentliche Sphäre — und Stärke 
ihres Wirkens. Die tagtägliche Fabrikarbeit ist nur zu sehr geeignet, 
sie dieser Thätigkeit mehr oder weniger zu entfremden, auch das 
sittliche Zartgefühl und die Zurückhaltung, wie sie dem Weibe ziemt, 
zu gefährden. 
Diese Gefahren müssen sich steigern bei der übermäßig langen 
Arbeitszeit, wie sie vielfach in Deutschland üblich ist. Von Morgens 
früh bis Abends spät wird das Mädchen in der Fabrik festgehalten; 
kaum daß es Mittags in Eile sein Essen im Elternhause einnehmen kann- 
Oft ist der Weg von und zu der Fabrik so weit, daß es Mittags gar 
nicht nach Hause kommt. Müde von der Arbeit und dem Heimweg, 
sucht es bald die Ruhe. Die Mutter oder Schwester in ihren Haus 
arbeiten zu unterstützen, findet es nicht Zeit; statt zu helfen, läßt es sich 
bedienen. Sonntags sucht es Entschädigung für die Entbehrung der 
Woche; das relativ reichliche Verdienst verlockt zu Vergnügungen und 
Leichtsinn. So wird es auch Sonntags kaum in der Familie heimisch. 
Dazu kommen die Rohheiten und unsittlichen Zudringlichkeiten, denen die 
Fabrikmädchen seitens der Arbeiter, seitens der Meister und Angestellten 
so oft ausgesetzt sind, die Verlockungen der Verführung, der Mangel an 
Religiosität und häuslicher Zucht . . . wahrlich nicht zu verwundern, 
wenn die Liebe zur Häuslichkeit, Familiensinn, Religiosität und Sittlich 
keit Schaden leiden. Leichtsinn und reichlicher Verdienst verlocken 
wieder zu frühen leichtsinnigen Heirat h en — wiederum eine Quelle 
neuen Elends. Mit Schulden wird die Ehe begonnen, es fehlt der 
Segen der Eltern, die Frau versteht nichts vom Haushalten, 
Nähen, Flicken, Kochen; Mann und Frau haben sich nie an ein ge-
	        
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