Full text : Schutz dem Arbeiter!

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ordnetes  Familienleben  gewöhnt,  haben  sich  Bedürfnisse  angeeignet, ­
  die  sie  bald,  mit  der  zunehmenden  Zahl  der  Kinder,  den  wachsenden ­
  Ausgaben,  nicht  mehr  befriedigen  können.  Sparen  haben  sie  nicht
gelernt;  kurz,  es  muß  eine  unglückliche  Familie  werden.  Und  was
wird  aus  der  Jugend,  die  in  solchen  Familien-Verhältnissen  aufwächst?
Muß  nicht  das  sittliche  und  materielle  Elend  im  Verlauf  der  Generationen ­
  progressiv  wachsen?
Auf  Grund  dieser  Erfahrungen  wird  vielfach  sogar  Ausschluß  derselben ­
  aus  den  Fabriken  verlangt.  Eine  solche  Forderung  geht  zu  weit.
Man  vergißt,  daß  es  sich  vielfach  um  Beschäftigungen  (Weben,  Spinnen,
Sticken,  Stricken  re.)  handelt,  die  seit  Alters  her  der  Frau  zugewiesen
waren,  die  nur  in  Folge  der  Maschinen  andere  Formen  angenommen
haben.  Und  wie  soll  die  in  den  Großstädten  und  Industrie-Centren
zusammengedrängte  überschüssige  weibliche  Bevölkerung,  welche  im
eigenen  Haushalt  keine  ausreichende  Beschäftigung  findet,  Arbeit
und  Brod  gewinnen?  Und  was  soll  vor  allem  aus  jenen  werden,
welche  bei  den  immer  schwierigern  Erwerbs-Verhältnissen  unterstandslos
in  der  Welt  stehen  und  ans  ihrer  eigenen  Hände  Arbeit  angewiesen  sind?
Nicht  bloß  Spinnen  und  Weben,  Stricken  und  Sticken,  sondern  auch  das
Nähen,  die  „Confection"  nimmt  immer  mehr  fabrikmäßige  Gestaltung ­
  an,  und  sogar  das  Gebiet  der  Hausarbeiten  wird  (durch  Wasserleitung, ­
  Gasheizung,  Volksküchen,  öffentliche  Bade-  und  Wasch-Anstalten
  re.)  sich  eher  einengen  als  erweitern.  Auch  in  der  Landwirthschaft
  findet  eine  zunehmende  Entlastung  von  schweren  Arbeiten  und
Ersatz  der  weiblichen  Arbeitskräfte  durch  Maschinen  statt.  So  kann
an  einen  Ausschluß  der  Arbeiterin  aus  der  Fabrik  weniger  wie  je  gedacht ­
  werden.
Berechtigte  Ziele  dagegen  sind:
1.  Verbot  der  Nacht-  und  Sonntags-Arbeit,  früherer  Schluß
der  Arbeit  an  Samstagen;
2.  Verbot  der  die  Gesundheit  und  Sittlichkeit  gefährdenden
Arbeiten;
3.  Verbot  resp.  Beschränkung  der  Beschäftigung  verheirateter
Frauen;
4.  Begrenzung  der  Arbeitszeit  der  Arbeiterinnen  (s.  „Maximal-Arbeitstag");

5.  Schutz  der  Sittlichkeit:  Trennung  der  Geschlechter,  Einrichtung
besonderer  Ankleide-  und  Waschräume  re.;
6.  Fürsorge  für  die  häusliche  Erziehung  und  Ausbildung
(Haushaltungs-Unterricht).
            
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