Full text: Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte

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vollen Freiheit mächtig empor. Genua, Florenz, Mailand und be 
sonders Venedig, welches z. B. im 15. Jahrhunderte 300 Kriegs 
und 3000 Handelsschiffe mit einer Bemannung von 17.000 Matrosen 
besaß, gelangten zu kolossalem Reichtum und einer großen Seeüber 
legenheit gegenüber größeren ausgebreiteten Staaten. Der Handel 
war eine Weltmacht. Schon zur Zeit der Gründung der ersten Bank 
in Venedig begann eine neue wichtige Erscheinung für das wirt 
schaftliche Leben der ganzen Welt für die folgenden Jahrhunderte bis 
auf unsere Zeit. Es war dies die erste Benützung des Wechsels, 
welche im Warenaustausche der handeltreibenden Völker zuerst 
zwischen Italien und Deutschland, dann Flandern, England und der 
übrigen Welt Platz griff. In Barcelona wurde im Jahre 1349 und 
in Hamburg im Jahre 1619 eine Bank gegründet, und im Jahre 
1664 entstand die Bank von England. 
Nach der Entdeckung Amerikas durch den Nürnberger Kauf 
mann Martin Behaim im Jahre 1484 erwuchs dem weltbeherr 
schenden Handel der deutschen Hansa und der italienischen Staaten 
eine große Konkurrenz durch Engländer, Spanier, Holländer und 
Portugiesen. Aber die Entdeckung des neuen Weltteiles hatte auf 
den europäischen Handel in der ersten Zeit keineswegs jenen för 
dernden Einfluss, welchen man vermuten sollte. Die neue Welt 
mit ihren fabelhaften Reichtümern, von welchen die Seefahrer er 
zählten, erzeugte einerseits eine große Anzahl solcher Unterneh 
mungen in allen Ländern Europas, welche auf Erwerbung neuer 
transozeanischer Länderstriche gerichtet waren, dagegen ein Zurück 
gehen reeller, schlichter Unternehmungen. Der Gewinn der neuen, 
mit großen Gefahren und oft unüberwindlichen Schwierigkeiten ver 
bundenen Unternehmungen, blieb weit zurück hinter dem gewaltigen 
Reichtume, welchen die europäischen Handelsstaaten früher zu er 
werben in der Lage waren. Die gewagten See-Unternehmungen 
zeigten bald ihre Früchte; obgleich Spanien aus der neuen Welt 
Gold und Silber holen und sich bereichern wollte, so ist gerade 
dort die erste Münzverschlechterung entstanden. Karl V. ließ 
schlechtes Geld prägen. Er war es auch, der in Amerika die Skla 
verei einführte, die in der alten Welt eben die letzten Atemzüge 
gemacht hatte. 
Und während so auf der einen Seite ein Jagen nach Reich 
tümern entstand, wozu alle Mitteln gut waren, während die Sklaverei 
und der Sklavenhandel über dem Ozeane wieder aufblühen sollten: 
drang mit der Reformation mitten aus dem Volke heraus der Ruf 
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