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Union wie Mexico schwächen und dadurch Einfluss auf Nord
amerika gewinnen zu können, während sie thatsächlich nur
die Stärkung der Union und damit ihr jetziges Uebergewicht
in Nordamerika begründeten, das jetzt jeden europäischen
Einfluss hierselbst vernichtet hat.
Die mexikanische Regierung war zu schwach, die Nieder
lassungen der Mexicaner am Rio Grande und die Handels
strasse von Santa Fé nach San Louis zu schützen. Sie griff
daher zu einem Aushilfsmittel, das im Mittelalter in Europa
allgemein war; sie schuf eine Markgrafschaft an der ge
fährdeten Stelle — da sie eine republikanische Regierung war,
natürlich ohne den aristokratischen Titel. Sie verlieh näm
lich das ganze Taosgebirge nebst dem Thaïe, in dem der
Cimarronfluss entspringt, dem Raton-Pass und der Ebene süd
lieh davon, über welche der Santa Fé Trail läuft, im Ganzen
1.714.000 Acres oder 3726 englische Quadratmeilen, d. h. ein
Land, das so gross ist, wie der dritte Theil des Königreiches
Belgien oder der vierte Theil des Königreiches Dänemark und
grösser als manches deutsche Fürstenthum, an jene zwei
Männer, welche den Haupthandel auf dieser Strasse in der
Hand hatten, ihre eigenen Carawanen durch berittene Be
waffnete schützten und mit einigen Indianerstämmen Schütz
end Trutzbündnisse geschlossen hatten. Diese Lehnsherren
waren eben jene Herren Beaubien und Miranda.
Die Herrschaft, welche jetzt Maxwell-Grant heisst, ist
somit vielleicht die letzte „Markgrafschaft“, welche von
einem Staate, der seine Grenzen nicht zu schützen im Stande
war, mächtigen, weil reichen, Leuten verliehen wurde, unter
der Bedingung, dass sie den Schutz jener Grenzen durch eine
von ihnen zu schaffende bewaffnete Macht übernähmen. Dies
ist ein Rechtstitel, den man in Europa einen „feudalen“ nennen
würde. Die heutigen Inhaber haben keinerlei kriegerische
Befugniss oder Aufgabe mehr, auch keinerlei solche obrigkeit
liche Rechte über die Bewohner des Territoriums, als sie
Beaubien und Miranda wahrscheinlich ebenfalls übten. Sie
sind einfach die Privateigenthümer des Landes und der
Mineralien dieses — man kann wohl sagen Fürstenthumes.