Full text: Ursachen der Amerikanischen Concurrenz

VI. Capitel 
Kosten des Getreidetransportes von 
Amerika nach Europa. 
Seit M. Ronna sein vorzügliches Buch „Le Ble“ ge 
schrieben, ist meines Wissens keine genaue Untersuchung 
über die Kosten des Getreidetransportes von Amerika nach 
Europa angestellt worden. Der jetzige Zeitpunkt ist hierzu 
besonders geeignet, weil zwei alte Export - Strassen von 
bisher geringerer Bedeutung gleichzeitig fast der bisher be 
deutendsten — über die atlantischen Häfen der Union von 
Boston bis Baltimore — den Rang streitig machen. 
Am I. September 1881 hat nämlich der Weilandcanal, 
welcher den Erie- und Ontariosee verbindet, seine angestrebte 
Normaltiefe erhalten, so dass Getreide in grossen Barken, 
eventuell sogar in Seeschiffen, von Duluth am Oberen-, Chicago 
am Michigan- und Toledo am Eriesee direct, ohne Ueberladung 
in kleinere Schiffsfahrzeuge, bis Montreal und sogar bis 
Europa transportirt werden kann. Jede neue Handelsstrasse 
bedarf der Zeit, bevor sie zu ihrer vollen Geltung gelangt. 
Man fürchtet in New-York, dem Hafen, über welchen bisher 
die meisten amerikanischen Lebensmittel nach Europa ver 
schifft wurden, den Einfluss der Concurrenz der Weiland - San 
Lorenzostrasse, doch wird er sich erst in einigen Jahren in 
Zahlen ausdrücken lassen. Für jetzt kann man nur Folgendes 
sagen: Die Höhendifferenz des Erie- und Ontariosee’s beträgt 
326 Fuss. Der alte Wellandcanal, welcher Schiffe über diese 
Höhe hinwegbrachte, war 10 Fuss tief. Er bleibt auch noch 
in Zukunft in Betrieb für Schiffe von geringerer Tragfähigkeit, 
bis zu 20.000 Bushels. Der Eriecanal, welcher ebenfalls aus
	        
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