Full text : Ursachen der Amerikanischen Concurrenz

der  Canada  -  Pacific  -  Bahn,  die  aus  dem  Nordwestterritorium
über  Winnipeg  an  diesen  Punkt  des  Oberen  Sees  führt,  wird
dann  ca.  i6  c.  per  B.  betragen,  d.  h.  ca.  3  P'r.  =  1.23  fl.
ö.  W.  per  100  Kilo.  Doch  dies  wird  erst  in  einigen  Jahren
geschehen,  wenn  diese  grosse  Wasserstrasse  zu  ihrer  practischen
  Entfaltung  gelangen  wird.
Dieser  Moment  ist  auf  der  zweiten  Concurrenzstrasse  der
alten  Getreide-Exportstrasse  Chicago  New-York,  auf  der  Mississippiroute, ­
  bereits  eingetreten,  da  sie  schon  fast  zwei  Jahre
hindurch  für  Getreideexport  offen  ist.
New-York  bezieht  das  Export-Getreide,  dessen  grösserer
Th  eil  in  Illinois,  Wisconsin,  Minnesota,  Dakota,  Nebraska  —
allenfalls  noch  Indiana  und  Ohio  —  wächst,  aus  den  Binnenland-Sammelplätzen, ­
  „collecting  points“,  Duluth,  Milwaukee
Chicago,  Toledo,  St.  Louis,  Kansas-City  entweder  direct  per
Bahn,  oder  auf  den  Seen  und  durch  den  Eriecanal  von  Buffalo
am  Eriesee  über  Albany  und  den  Hudson-River.  Jener  grosse
atlantische  Hafen  hat  also  eine  Eisenbahnzufuhr  und  eine  solche
auf  den  Seen  und  einem  Canal.  Seine  beiden  Concurrenten,
Montreal  und  New-Orleans,  haben  natürlich  auch  Eisenbahnverbindungen ­
  mit  Weizen  producirenden  Ländern,  namentlich
New-Orleans  mit  Texas,  dessen  Bevölkerung  und  Ackerbau
sich  zur  Zeit  sehr  schnell  vermehren.  Allein  beide  Städte
haben  je  eine  Thalwasserstrasse,  erstere  den  San  Lorenzo,
letztere  den  weit  grösseren  Mississippi  hinab.  Solche  Strassen,
den  Fluss  hinab,  gewähren  aber  stets  einen  billigeren  Transport,
als  Schleussencanäle,  wie  der  Eriecanal.
Auf  diesem  haben  die  Getreidebarken  zur  Zeit  noch  einen
geringen  Zoll  zu  bezahlen,  der  jedoch  nur  die  Unterhaltungskosten
des  Canals  deckt.  Die  drohende  Concurrenz  von  Montreal  und
die  schon  sehr  thatsächlich  gewordene  von  New  -  Orleans  hat
in  der  Geschäftswelt  von  New-York  grosse  Aufregung  verursacht. ­
  Man  erlangte  daselbst  im  Winter  1882/83  die  Abschaffung
der  Eriezölle,  die  Uebernahme  der  Canalunterhaltungskosten  auf
das  Budget  des  Staates  New-York  und  die  Vertiefung  und  Verbreiterung ­
  des  Canals  auf  das  Mass  des  neuen  Weilandcanals.  Die
Eisenbahncompagnien  waren  natürlich  Gegner  der  Abschaffung
der  Eriezölle,  weil  diese  sie  zu  einer  Tarifermässigung  zwingen
            
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