Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

10. Kap. Tie verschiedenen Zweige der Consumtion. 
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Soweit aber die Unternehmer nicht selbst helfen können, also in den Fällen, 
wo es sich um die Arbeiter kleiner Fabriken, um Handwerksgehilfen, kleine 
Beamte u. s. w. handelt, muß durch Gesetze geholfen werden, welche Steuer 
erleichterungen zu Gunsten der Errichtung von Häusern mit kleinen, den Sani- 
tätsvorschriften entsprechenden Wohnungen gewähren. Es ist ja der Besitz 
derartiger Häuser meist ziemlich einträglich. Biele Hausherren schrecken nur 
deshalb von dem Bermiethen an kleine Leute zurück, weil das Eintreiben der 
Miethe oft peinlich ist, und weil die Überwachung vieler kleinen Wohnungen 
große Mühe verursacht. Es muß deshalb auf die Gründung von Gesellschaften 
zum Zwecke der Erbauung und Ausnutzung solcher Häuser hingewirkt werden, 
îie dabei Betheiligten können die betreffenden Geschäfte durch Beauftragte 
betreiben laffen; dabei wird sich die Gewährung von Steuererleichterungen an 
derartige Gesellschaften von großem Nutzen erweisen. Sie locken durch die 
Aussicht auf Gewinn das Kapital auf ein Gebiet, das es, einmal an die 
Betriebsmodalitäten gewöhnt, nicht mehr verläßt. Ta aber immer Uebel- 
şiande übrig bleiben werden, welche durch Selbsthilfe und vernünftig geleitete 
eigener Häuser seitens ihrer Arbeiter, 14 Fälle der Sorge für gehörige Mietwohnungen 
und 5 Schlafhäuser für unverehelichte Arbeiter. Auch ist dem betreffenden Abschnitt 
de« Werkes (S. 284—320) als Anhang die lehrreiche Abhandlung von Chr. Nutzbaum, 
Allgemeine Grundsätze für den Bau und die Einrichtung von Arbeiterwohnungen, bei- 
gegeben. — Von den grohartigen einschlägigen Leistungen in Frankreich kann man 
şich einen Begriff machen, wenn man einige Beispiele einer nähern Aufmerksamkeit 
würdigt. Die Schneiderschen Werke in Creusot, welche 12000 Arbeiter be 
lästigen, haben, um den Arbeitern den Bau eigener Häuser zu ermöglichen, zuerst 
das System eingeführt, Grundstücke zu ermähigtem Preise abzugeben und Geldvorschüsse 
ru gewähren. In den Jahren 1887—1889 wurden Summen im Gesamtbeträge von 
3292 671 Francs zum Behufe der Erbauung von 2391 Häusern vorgeschossen. Die 
Rückzahlungen erfolgten so pünktlich, datz am 1. Januar 1889 nur noch 227 203 Francs 
Ausständig waren. Auherdem erbaute man Häuser, die nebst einem Stück Land von 
00 800 qm Umfang um den monatlichen Preis von 1,25—8 Francs vermiethet 
wurden. Jedes der Schneiderschen Etablissements ist von derartigen einzeln dastehenden 
Däusern mit Gärten umgeben. Aehnliches leistet die Kohlengrubengesellschaft von 
ļänzy mit dem Sitze in Montceau- les -Alines (Saône et Loire), die gegen 
000 Arbeiter in ihren Diensten hat. Sie beschäftigt sich bereits seit 1834 mit dieser 
^ŗuge. Im Jahre 1889 wohnten 1000 Familien in gartenumgebenen Häusern. Die 
iethe trug, ziemlich genau gerechnet, nur so viel ein, datz daraus die Unterhaltungs- 
uud die Versicherungskosten sowie die Steuern bestritten werden konnten. Tie Gesell 
last hat für diesen Zweck ein Kapital von 2 393 912 Francs verwendet, welches ihr 
dîne Zinsen trägt. Die berühmte Spiegelsabrik von St-Gobain, die ihren Ursprung 
w auf das Jahr 1665 zurückleitet, hat schon im 17. Jahrhundert Wohnungen für 
!.. Beamten und Arbeiter gegründet und leistet auf diesem Gebiete noch immer Treff- 
ì'ches. Diese Beispiele laffen sich durch unzählige andere vermehren. Siehe über die 
rec namhaft gemachten Unternehmungen G. Picot in der Pariser .Réforme sociale', 
6 février 1894. p. 266 ss.
	        
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