Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

Hingegen  ist  hier  noch  zu  bemerken,  das;  der  Verband  dem
anfänglich  gesteckten  Ziele,  politisch  absolut  neutral  zu  sein,
getreulich  nachgekommen  ist.  Aus  allen  konfessionellen  uiib
Parteischattirnngen  zusammengesetzt,  war  in  ihm  auch  nicht
der  leiseste  Anklang  von  solchen  Gegensätzen  spürbar.  Es  ist
dies  um  so  bemerkenswerther,  als  er  sich  aus  Beo  öl  kernn  ge
schichten  und  Landesgegenden  rekrntirt,  in  welchen  das  Parteiwesen ­
  vielleicht  ausgebildeter  ist  lind  das  öffentliche  Leben
vermöge  der  politischen  Institutionen  weit  stärker  beherrscht
—  oft  beinahe  bis  ins  Ungesunde  hinein  —  als  durchschnittlich ­
  anderswo.  Hatte  man  tut  Anfange  an  der  Möglichkeit
gezweifelt,  bei  der  herrschenden  Jntensivität  des  Parteiwcsens
und  bei  der  Zerklüftung  der  Parteien  die  für  den  Verband
drohenden  Klippen  stets  umschiffen  zu  können,  so  betrachtet
man  dies  jetzt  als  etwas  ganz  Selbstverständliches,  gleichsam
von  selbst  sich  Gebendes.
Auch  der  Verkehrsform  zwischen  den  verschiedenen  Jnterefsentengruppen
  unter  einander  an  Delegirtenversammlnngen
darf  gedacht  werden.  Zwar  ein  rein  äußerliches  Moment,  legt
es  doch  Zeugniß  für  die  ganze  Auffassung  des  Verbandsgedankens ­
  ab  und  für  die  Tiefe  dieser  Auffassung.  Sowohl
was  soziale  Stellung,  als  was  Bildung  anbetrifft,  läßt  sich
nicht  leicht  eine  größere  Mischung  denken,  als  eine  solche
Delegirtenversammlung.  Vom  über  Millionen  verfügenden
Großkanfmann  lind  Exporteur  stuft  sie  sich  ab  bis  zum  ärmsten
Einzelsticker,  vom  gebildeten  Manne  bis  zu  dem,  der  nur  mit
allerdürftigster  Schulbildung  ausgestattet  ist.  Die  numerische
Mehrheit  in  derselben  spitzt  sich  gemäß  der  Verbandskonstitntion
  nach  Unten  zu  und  nicht  nach  Oben.  Die  Verbandsgeschichte ­
  weist  auf  mehr  als  einen  stürmischen  und  erregten
Augenblick  hin,  auf  Stunden,  in  welchen  die  Interessengruppen
in  aller  Schroffheit  sich  gegenüber  standen  und  der  Kamps
von  Oben  gegen  Unten,  oder  pon  Unten  gegen  Oben,  mit  der
ganzen  Schärfe  entbrannt  war.  Trotzdem  ist  keine  einzige
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.