Hingegen ist hier noch zu bemerken, das; der Verband dem
anfänglich gesteckten Ziele, politisch absolut neutral zu sein,
getreulich nachgekommen ist. Aus allen konfessionellen uiib
Parteischattirnngen zusammengesetzt, war in ihm auch nicht
der leiseste Anklang von solchen Gegensätzen spürbar. Es ist
dies um so bemerkenswerther, als er sich aus Beo öl kernn ge
schichten und Landesgegenden rekrntirt, in welchen das Parteiwesen
vielleicht ausgebildeter ist lind das öffentliche Leben
vermöge der politischen Institutionen weit stärker beherrscht
— oft beinahe bis ins Ungesunde hinein — als durchschnittlich
anderswo. Hatte man tut Anfange an der Möglichkeit
gezweifelt, bei der herrschenden Jntensivität des Parteiwcsens
und bei der Zerklüftung der Parteien die für den Verband
drohenden Klippen stets umschiffen zu können, so betrachtet
man dies jetzt als etwas ganz Selbstverständliches, gleichsam
von selbst sich Gebendes.
Auch der Verkehrsform zwischen den verschiedenen Jnterefsentengruppen
unter einander an Delegirtenversammlnngen
darf gedacht werden. Zwar ein rein äußerliches Moment, legt
es doch Zeugniß für die ganze Auffassung des Verbandsgedankens
ab und für die Tiefe dieser Auffassung. Sowohl
was soziale Stellung, als was Bildung anbetrifft, läßt sich
nicht leicht eine größere Mischung denken, als eine solche
Delegirtenversammlung. Vom über Millionen verfügenden
Großkanfmann lind Exporteur stuft sie sich ab bis zum ärmsten
Einzelsticker, vom gebildeten Manne bis zu dem, der nur mit
allerdürftigster Schulbildung ausgestattet ist. Die numerische
Mehrheit in derselben spitzt sich gemäß der Verbandskonstitntion
nach Unten zu und nicht nach Oben. Die Verbandsgeschichte
weist auf mehr als einen stürmischen und erregten
Augenblick hin, auf Stunden, in welchen die Interessengruppen
in aller Schroffheit sich gegenüber standen und der Kamps
von Oben gegen Unten, oder pon Unten gegen Oben, mit der
ganzen Schärfe entbrannt war. Trotzdem ist keine einzige