sozialen Erfolge nichts an ihrem Werthe, weil sie gleichsam
von selbst ans dem Boden der wirthschaftlichen gewachsen sind.
vMit Gegentheil bestätigen sie den nie ¿genug zn beherzigenden
Erfahrungssatz, daß der Untergrund der sozialen Frage die
wirthschaftliche ist, daß es die Störungen und Unzuträglich
keiten im wirthschaftlichen Mechanismus sind, welche diejenigen
im sozialen bedingen, und daß deshalb zuerst jene beseitiget
werden müssen, wenn die letzteren mit Erfolg und alls die
Dauer sollen geregelt werden. Sv lange die sozialen Reformen
ans den Trümmerhaufen der modernen wirthschaftlichen Des
organisation — diesem Unglücksgeschenk der französischen Re
volution — wollen errichtet werden, werden sie nur Schein
erfolge erzielen. In dieser Beziehung ist die Geschichte des
Stickereiverbandes lehrreicher als jede andere.
Der Stickereiverband ist so recht eigentlich zur erfolg
reichen sozialpolitischen Schule für seine Mitglieder geworden
und zwar gerade dadurch, daß er alle Jnteressentengrnppen
zusammenfaßte. Ohne die sozialen Abstufungen verwischen zu
können und zu wollen, hat das jahrelange, redliche Znsammen-
arbeiten der verschiedenen Gruppen die Einsicht und das Ver
ständniß für die Anschauungen lind Bedürfnisse jeder einzelnen
derselben groß gezogen und die unverrückbaren Grundlagen
des wirthschaftlichen und sozialen Lebens zur allgemeinen
Erkenntniß gebracht, die unerläßliche Vorbedingung für eine
Organisation, welche sich von Utopien fernhalten ivill. Es ist
das Verdienst des Verbandes, wenn heute jede Jnteressenten-
grnppe vom Bewußtsein beseelt ist, daß das Gedeihen der
anderen für das eigene Gedeihen unerläßlich ist, daß keine
die andere entbehren oder sich von ihr isoliren kann, sondern
daß sie ineinandergreifen müssen, Glied für Glied, lvie die
Ņinge der Kette. In einer Zeit, in welcher Arbeitgeberthum
und Arbeitnehmerthum meistens immer weiter auseinander
gehell, ili der zwischen beiden Kluft und Raumentfernung
sich täglich weiten, war es wahrer Trost, zn beobachten, wie