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was als wirthschaftliche Leistung auszugeben unthunlicb sei.
Das Beiwort „verlogen”, welches einem Lassalle (und zwar
aus der eignen Behausung) in seiner Stilart geläufig war,
wurde hier einmal mit Recht angewendet. Natürlich kann es
nicht bedeuten, dass Bastiat in der Grundform seiner Auf-
fassungsart sich deutlich einer Unwahrheit bewusst gewesen
wäre, sondern es kann nur heissen sollen, dass der Standpunkt
dieser Vorstellungsart der Verhältnisse ein von Natur trüge
rischer sei, an welchen sich die mehr oder minder bewusste
Lüge bei jeder weiteren Bethätigung und bei jeder unterdrückten
Regung des sich anmeldenden Gefühls des innern Widerspruchs
unvermeidlich knüpfen müsse. Letzteres ist denn auch im
Bastiatitenthum fast regelmässig der Fall. Die bonhommistische
Spielart desselben, mit welcher es Lassalle zunächst zu thun
hatte, licss den Constrast der guten Absicht und der mit dem
zweideutigen und zweiseitigen Standpunkt unausweichlich ver
bundenen Täuschung noch mehr horvortreton. Dieser schielende
Trug und die zugehörige Corruption mit ihrem Beschönigungs
und Aussöhnungsschein fanden in Lassalle einen Widersachei,
der um so rücksichtsloser verfuhr, als er selbst mit den Schleich
wendungen vertraut und die menschliche Natur aus unmittel
barster Anschauung auch von den schlechteren Seiten sach
kundig zu würdigen wusste. Es konnte ihm eher alles Andeie
begegnen, als dass er sich hätte durch den mit gut scheinen
den Gemüthlichkciten gemischten Charakter der gegnerischen
Propaganda über die innerlichen Unwahrheiten der doppe -
seitigen Tendenz in seinen drastischen Blosstollungen beirren
lassen. Mit dem Schielenden des Dienstes hatte es seine Rich
tigkeit, und nur die Meinung, dass man diesen Begriff nicht
wirklich auf eigentlich wirthschaftliche Leistungen beschränkt
denken könne, ist unzutreffend. Was aber Bastiats thatsäch-
licho Wendungen hinbelangt, so wissen wir ja, woher jenes
Schielen und jener unwahre Begriffsbcstandthcil rührte; —
beide waren die einfache Folge der Ungeschicklichkeit und
Verlegenheit, in welche Bastiat, der bisher nur das Arbeits
prill ei p gekannt hatte, durch sein Plagiat aus Carey, mit dem
er nicht genug anzufangen verstand, gerechter und koniiscler
Weise gerathen war.
In allem Uobrigen ist es Lassallo nicht gelungen, den In
halt des Bastiatschen Buchs irgendwo ernstlich in einem wich-