fullscreen: Der historische Materialismus

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mittlerweile predigen sie die Liebe zum Nächsten, zu allen 
Nächsten! 
Aber wenn die Arbeiter aufstehen, um sich die Freiheit 
zu erobern, dann ermorden sie sie zu Hunderten, Tausen⸗ 
den und Zehntausenden durch ihre Bürgerwehr und weiße 
Garden 
Wir dagegen, wir erkennen aus der Geschichte, daß, 
wenn dadurch der eigenen Klasse oder dem eigenen Volke 
geholfen wurde, die hohen Gebote der Moral gegenüber 
dem Feind nie galten, und wir gestehen rund heraus, daß 
auch wir nicht aufopfernd, nicht solidarisch, nicht treu und 
ehrlich gegenüber der feindlichen Klasse sein werden, wenn 
das wirkliche Heil unserer Klasse uns das vorschreibt.) 
Und daß wir, wenn nötig, mit den Waffen sie be— 
kämpfen werden — 
An dieser Stelle folgten nun in der ersten Ausgabe 
dieses Büchleins noch einige Beispiele, die bewiesen, wie 
der Klassenkampf Lüge, Betrug, Viebstahl usw gegenüber 
dem Gegner vom Kaͤmpfer fordert, und wie die von den 
Klassengenossen als Tugend geachtet und gefeiert werden 
Ich lasse diese nun fort. In einer Zeit, die die proleta— 
rische Revolution und den Bürgerkrieg gebracht hat, sind 
sie überflüssig geworden. 
Statt dessen will ich hier ein persönliches Erlebnis 
ein flechten, das die große Kraft und Wahrheit des histo 
rischen Materialismus in der Frage der Ethik beweist. 
Nachdem ich dieses Büchlein geschrieben hatte, wurde 
es von dem Führer der Konservativen in der holländischen 
Kammer angefallen, eben darum, weil ich geschrieben halte, 
daß Betrug, Lüge usw den feindlichen Klassen gegenüber 
oft nicht nur erlaubt, sondern Pflicht ist und zur Tugend 
wird. Troelstra, der Führer der Reformisten, fiel ihm bei 
und verriet mich, seinen damaligen Parteigenossen Gorter, 
sagte er, verstehe nichts von dieser Sache, stehe in der Inter— 
nationale ganz allein, stehe sogar Marx selbst femdlich 
gegenüber, der in den Statuten der ersten Internationale 
geschrieben habe: „Die internationale Arbeiterorganisa— 
kion, sowie alle Gewerkschaften und Individuen, die sich 
—— 
) Unsere Gegner folgern hieraus mitunter, daß wir den Ka— 
pitalisten gegenüber im mer alles für erlaubt erachten Das ist 
falsch Wie vir oben sagkten, nur da nn, wenn das williche Heil 
unserer Klasse dadurch gefördert wird Betrug, Lügen, Zerstörung 
von Maschinen und Eigentum, Gewalt sind oft schablich für unsere 
Klasse. Bie Anwendung dieser Mittel stände dann gerade im 
Gegensatz zu der Moral, die uns gebietet, im Interesse unserer 
Dlaͤsse zuͤ handeln
	        
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