— 28 —
mittlerweile predigen sie die Liebe zum Nächsten, zu allen
Nächsten!
Aber wenn die Arbeiter aufstehen, um sich die Freiheit
zu erobern, dann ermorden sie sie zu Hunderten, Tausen⸗
den und Zehntausenden durch ihre Bürgerwehr und weiße
Garden
Wir dagegen, wir erkennen aus der Geschichte, daß,
wenn dadurch der eigenen Klasse oder dem eigenen Volke
geholfen wurde, die hohen Gebote der Moral gegenüber
dem Feind nie galten, und wir gestehen rund heraus, daß
auch wir nicht aufopfernd, nicht solidarisch, nicht treu und
ehrlich gegenüber der feindlichen Klasse sein werden, wenn
das wirkliche Heil unserer Klasse uns das vorschreibt.)
Und daß wir, wenn nötig, mit den Waffen sie be—
kämpfen werden —
An dieser Stelle folgten nun in der ersten Ausgabe
dieses Büchleins noch einige Beispiele, die bewiesen, wie
der Klassenkampf Lüge, Betrug, Viebstahl usw gegenüber
dem Gegner vom Kaͤmpfer fordert, und wie die von den
Klassengenossen als Tugend geachtet und gefeiert werden
Ich lasse diese nun fort. In einer Zeit, die die proleta—
rische Revolution und den Bürgerkrieg gebracht hat, sind
sie überflüssig geworden.
Statt dessen will ich hier ein persönliches Erlebnis
ein flechten, das die große Kraft und Wahrheit des histo
rischen Materialismus in der Frage der Ethik beweist.
Nachdem ich dieses Büchlein geschrieben hatte, wurde
es von dem Führer der Konservativen in der holländischen
Kammer angefallen, eben darum, weil ich geschrieben halte,
daß Betrug, Lüge usw den feindlichen Klassen gegenüber
oft nicht nur erlaubt, sondern Pflicht ist und zur Tugend
wird. Troelstra, der Führer der Reformisten, fiel ihm bei
und verriet mich, seinen damaligen Parteigenossen Gorter,
sagte er, verstehe nichts von dieser Sache, stehe in der Inter—
nationale ganz allein, stehe sogar Marx selbst femdlich
gegenüber, der in den Statuten der ersten Internationale
geschrieben habe: „Die internationale Arbeiterorganisa—
kion, sowie alle Gewerkschaften und Individuen, die sich
——
) Unsere Gegner folgern hieraus mitunter, daß wir den Ka—
pitalisten gegenüber im mer alles für erlaubt erachten Das ist
falsch Wie vir oben sagkten, nur da nn, wenn das williche Heil
unserer Klasse dadurch gefördert wird Betrug, Lügen, Zerstörung
von Maschinen und Eigentum, Gewalt sind oft schablich für unsere
Klasse. Bie Anwendung dieser Mittel stände dann gerade im
Gegensatz zu der Moral, die uns gebietet, im Interesse unserer
Dlaͤsse zuͤ handeln