574 Die Taucherkunst.
einen Vorrat von Luft — in gepreßtem Zustande natürlich — mit unter Wasser nehmen
kann. Der Luftbehälter wird dann gleich einem Tornister auf dem Rücken getragen und
gibt so viel Luft an den Helm ab, als der Taucher mittels eines Ventils herausläßt.
Das Ausgeatmete tritt dann durch ein besonderes Ventil ins Wasser. Solcher Art ist der
von Sieard erfundene Apparat, dessen Grundidee nicht neu ist, denn es ist bekannt,
daß schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu Breslau ein Taucher mit einem Gefäß
gepreßter Luft auf dem Rücken unter Wasser ging. Die Schwierigkeit indessen liegt hier
wieder in dem allzngeringen Ausgleichungsvermögen der menschlichen Brust, welche schon
bei einem Überdruck von 1 m ihre
Thätigkeit versagt. Am längsten
hielt sich der sogenannte Seap-
handerapparat im Gebrauch,
welcher dem eben beschriebenen
ähnlich war und nur in einem
mit einem metallenen Helm ver
sehenen luftdichten Anzüge bestand,
der von oben mit Luft gefüllt
wurde. Mit diesem Apparate
gingen die Taucher der englischen
Admiralität bis zu 41 in Tiefe
hinab, trotz der geschilderten Un
zuträglichkeiten und trotz des Um
standes, daß der Taucher jeden
Pumpenhub fühlte.
Es ist daher als ein ganz
außerordentlicher Fortschritt auf
dem Gebiete des Taucherwesens
zu bezeichnen, daß 1865 die beiden
Franzosen Rouquayrol und
Denayrouze eine Vorrichtung
zur Auwendung brachten, welche
den Druck der eingeatmeten Luft
nicht nur genau der jedesmaligen
Tiefe anzupassen im stände ist,
sondern auch trotzdem dem Tau
cher gestattet, zu atmen, wann er
will, so daß er nicht durch über
mäßige Zuströmung der Luft be
lästigt werden kann. Zunächst
wird die Luft in einen quer auf
dem Rücken des Tauchers befind
lichen Cylinder, den Behälter,
gepreßt, welcher, aus Stahlblech
gefertigt, auf einen sehr hohen Druck geprüft ist. Dieser Cylinder trägt einen über ihm
befindlichen anderen, weiten und niedrigen Cylinder, den Regulator, mit welchem er durch
eine kleine Öffnung verbunden ist, die durch ein sich nach unten öffnendes Ventil ver
schlossen ist. Der Regulator ist durch eine bewegliche Platte abgeschlossen, welche sich
etwas auf und nieder bewegen kann. Dieselbe ist mit dem genannten Ventil fest ver
bunden, so also, daß sich dieses öffnet, wenn die Platte sich senkt. Wird dieser ganze
Apparat nun, auf dem Rücken des Tauchers tornisterartig befestigt, unter Wasser gebracht,
so strebt dieses die Decke des Regulators herunterzupresieu, während die in den Cylinder
von obenher mit Hilfe eines Schlauches eingepreßte Luft, solange das Ventil geöffnet
ist, die entgegengesetzte Wirkung äußert. Wird daher der Druck in dem Regulator so
groß, daß er dem äußeren Wasserdruck entspricht, so ist Gleichgewicht vorhanden, und bei
660. Taucher mit Lustrrgalator ohne Helm und flnpig,
sogenannter Nachttaucher.
Nach L. von Bremen & Co. in Kiel.