Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
beeinflussen den Grad des Wohlstandes oder des Reichtums, dessen sie 
sich erfreuen. Allerdings müssen die allgemeinen Funktionen der Güter 
erzeugung, der Verteilung und des Austausches in allen Gesellschaften 
vor sich gehen. Aber jede menschliche Gemeinschaft stellt ein besonderes 
organisches Milieu vor, dem sich diese Funktionen anpassen müssen, 
und das infolgedessen dem wirtschaftlichen Leben einer jeden seinen 
besonderen Stempel aufdrückt. Wenn man daher alle verschieden 
artigen Seiten dieses Lebens verstehen will, muß man die wirtschaft 
liche Tätigkeit nicht nur isoliert, sondern in ihren Beziehungen zu dem 
sozialen Milieu betrachten, das allein das Verständnis der charakteristischen 
Züge gestattet 1 ). 
Das ist eine der historischen Schule teuere Grundidee. Aus ihr 
ergibt sich dann sogleich eine weitere. 
Das soziale Milieu ist nämlich nicht etwas Feststehendes. Es ist 
beständigem Wechsel unterworfen; es bildet sich um und entwickelt 
sich; es ist niemals in zwei verschiedenen Zeitpunkten gleich: und jeder 
dieser aufeinander folgenden Zustände erfordert eine Erklärung. Wo 
sollen wir diese Erklärung finden? In der Geschichte. 
Ein Wort Goethe’s, das als Epigraph zu dem großen Grundriß 
Schmoller dient, sagt: 
„Wer nicht von dreitausend Jahren 
sich weiß Rechenschaft zu geben, 
bleibt im Dunkeln, unerfahren, 
muß von Tag zu Tage leben.“ 
Und in der Tat, nur die Kenntnis der früheren Zustände, durch die 
das wirtschaftliche Leben der menschlichen Gesellschaften geschritten 
ist, gibt uns den Schlüssel zu ihrer gegenwärtigen Gestalt. Ebenso, wie 
die Naturforscher und die Geologen dazu geführt worden sind, um den 
gegenwärtigen Zustand der Erde und der lebenden Arten, die sie be 
völkern, zu verstehen, die Entwicklung des Lebens und der Erde in großen 
historischen Hypothesen wieder auferstehen zu lassen, ebenso muß der 
Gelehrte, der das gegenwärtige wirtschaftliche Leben der Menschheit 
studiert, bis in die fernste Vergangenheit zurückgehen, um dort seinen 
Ursprung und seine Quelle zu finden. „Der Mensch“, sagt Hildebrand, 
„ist als soziales Wesen stets ein Kind der Zivilisation und ein Produkt 
der Geschichte . . . Seine Bedürfnisse, seine Bildung, seine Beziehungen 
*) Roscher: „Wie jedes Leben, so ist auch das Volksleben ein Ganzes, dessen 
verschiedenartige Äußerungen im Innersten Zusammenhängen. Wer daher eine Seite 
desselben wissenschaftlich verstehen will, der muß alle Seiten kennen. Und zwar sind 
es vornehmlich folgende sieben Seiten, welche hier in Betracht kommen: Sprache, 
Religion, Kunst, Wissenschaft, Recht, Staat und Wirtschaft.“ System der Volks 
wirtschaft, Bd. I, Grundlagen der Nationalökonomie, 22. Aufl., bearbeitet von 
Robert Pöhlmann, Stuttgart 1897, S. 41. Vgl. auch Hildebrand: Nationalökonomie 
der Gegenwart usw., S. 29. Genau so denkt auch Knies.
	        
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