Florschütz, Unterricht in Versicherungsmedizin.
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als sie am Krankenbette, in der Einzelbeobachtung des praktischen
Lebens gewonnen werden; sie verlangen ein eingehendes Studium,
eine andauernde Beschäftigung mit den Versicherungsgrundlagen
selbst. Und doch sind das nur die einfachsten Aufgaben, die die
Versicherungen von heute an die Ärzte stellen. Weit schwieriger
sind die, die sie an ihre Wissenschaft, die Medizin, selbst richten,
denn diese soll zum großen Teil erst die Unterlagen schaffen, wonach
jene urteilen können. Die Grenze z. B., welche die Auswahl des
lediglich Gesunden der Weiterentwicklung der Lebensversicherung
steckt, ist dieser schon längst zu eng geworden. Auch der gesundheitlich
Minderwertige hat eine Lebensprognose, und kennt die
Lebensversicherung diese, so hat sie auch die Mittel, ihren Aufnahmekreis
zu erweitern und auch ihm ihre Pforten zu öffnen.
Aber wie soll die Medizin von heute ihr diese verschaffen, wo die
Prognosenstellung über das Krankenbett hinaus noch so im argen
liegt, daß unzählig allein die prognostischen Gebiete sind, innerhalb
deren man mit ebenso vielem Recht einen Antragsteller heute noch
als gesund versichern oder als gefährdet abweisen kann. Hier wird
eine Aufgabe der Medizin gestellt, die sie aus sich heraus nicht zu
lösen vermag, die aber von ihr gelöst werden kann, wenn sie sich
mit der Versicherungsmathematik zur gemeinsamen Arbeit
verbindet, denn da kommt als mächtiger helfender Faktor die
Prognose als Abstraktion aus dem ungeheuren statistischen Material
der Gesellschaften hinzu, und in dieser Vereinigung wird als Versicherungsmedizin
die Medizin erst das, was die Lebensversicherung
von ihr erwartet: die Lehrmeisterin und Führerin auf dem Wege
des täglich dringender werdenden Fortschritts. Und ähnliche Aufgaben,
wie hier für die Lebensversicherung, sind der Versicherungsmedizin
auch für die Unfall- und Invalidenversicherung erwachsen.
Aber nur mit Hilfe von oft wiederholten und systematisch
geordneten Beobachtungen und nur unter Mitwirkung vieler Kräfte
sind sie zu lösen, und deshalb haben wir uns hier vereinigt, und
deshalb ist die Fachabteilung für Versicherungsmedizin ins Leben gerufen
worden.«
Zwei Aufgaben sind es danach, die der Versicherungsmedizin
gestellt sind: auf der einen Seite hat sie als Wissenschaft zu
erforschen, d. h. die Unterlagen zu schaffen, die eine schärfere
Diagnose und eine weitergehende Prognosenstellung als heute gestatten,
auf der anderen Seite hat sie das Erforschte als Lehrgegenstand
für eine bessere Vor- und Ausbildung der die Vorarbeit
leistenden Ärzte, der Vertrauensärzte, zu verwerten.
Die erste Aufgabe ist lediglich eine interne Angelegenheit der
Versicherungsgesellschaften, der Fachabteilung, selbst, denn sie betrifft
nur die Ärzte, die an Direktionsstelle arbeiten oder sich sonst wissenschaftlich
mit der Versicherungsmedizin beschäftigen. Ihnen liegt mit
dem Mathematiker ob, die Grundlagen zu schaffen, auf denen ein
gedeihlicher Fortschritt der wissenschaftlichen Lebensversicherung
sich ermöglichen läßt. Sie haben erst festzustellen, welchen Einfluß
bestimmte Krankheiten, Krankheitsanlagen, die Erblichkeit, der Beruf