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Florsehiitz. Unterricht in Vcrsichcrimgsmedizin.
bracht, weil in sehr vielen Fällen auf diese kein Verlaß ist. Nicht
aus Opposition wird von den Vertrauensärzten die Messung leichthin
behandelt, sie halten nichts von ihr, weil sie ihrer sonst in ihrer
praktischen Tätigkeit ohne Schaden ganz entraten können, und die
außerordentliche Wichtigkeit, die sie für die Versicherungsmedizin
hat, ihnen nicht zum Bewußtsein gebracht ist. Und wie hier, ist es
mit vielen anderen Abschnitten und Fragen des Formulars auch.
Bereits hat es einen Umfang angenommen, der an die Grenze des
Möglichen zu reichen scheint — und doch macht sich fast jedes
Jahr eine nach den neu sich herausstellenden Bedürfnissen redigierte
Auflage notwendig. Die Schuld der Versicherungsgesellschaften sind
die umfangreichen Formulare nicht, sie sind lediglich in der mangelnden
Vorbildung der Vertrauensärzte für ihr Amt begründet. Und
eben jetzt hat der Ärztetag den aus seiner Mitte eingebrachten Antrag
angenommen, unsere Formulare wieder einmal einer Revision
zu unterziehen. Nach welcher Richtung und von welchen Gesichtspunkten
aus diese vor genommen werden wird, darüber brauchen wir
nach den Erfahrungen der Ärztetage von 1894 und 1895 keinen
Augenblick im Zweifel zu sein; wir werden lediglich aus den Verhandlungen
das eine wieder mit nach Hause nehmen, daß den Ärzten
das richtige Verständnis für die wirkliche Sachlage zum guten Teil
noch abgeht. Denn daß die Formulare nur der Spiegel ihrer heutigen
Vorbildung in der Versicherungsmedizin sind, diese Erkenntnis liegt
ihnen fern, und vergeblich werden wir auf eine Revision dringen,
die hier ihren Angriffspunkt sucht. Noch möchte ich nicht an die
Perspektive glauben, die der bekannte innere Kliniker Professor Stokvis
auf dem Amsterdamer Kongresse der Versicherungsärzte gezeichnet
hat, aber im Hinblick auf den kommenden Ärztetag mag es gut sein,
an seine Worte zu erinnern. »Ich weiß es recht wohl«, sagte er, »daß
Untersuchungen, wie die Lebensversicherung sie braucht, heute nur
als ein Ideal existieren, aber, ohne ein Prophet sein zu wollen,
sehe ich doch voraus, daß es noch greifbare Gestalt annehmen wird,
daß die Lebensversicherungs-Gesellschaften, sich bewußt, daß ihr
weiterer Ausbau nur auf der zuverlässigsten Grundlage der peinlichsten
Untersuchung möglich, sich vereinigen werden, um Institute
zu gründen, in denen sie alle ihre Antragsteller und dann unter
Anwendung aller medizinischen Hilfsmittel untersuchen lassen
werden.«
Was not tut, ist nicht die Revision der Formulare,
sondern die Belehrung der Ärzte, ihre Erziehung zu den
Aufgaben, die sie als Vertrauensärzte zu lösen haben. Ist das Ziel
erreicht, dann können auch die Formulare sich wesentlich vereinfachen.
Aber nicht einfach ist der Weg, auf dem diese Belehrung
zu erreichen ist. An den verschiedensten Versuchen hat es schon
längst nicht gefehlt, und recht brauchbar hat sich der erwiesen, den
z. B. die Gothaer Lebensversicherungs-Bank mit ihren monatlichen
Mitteilungen an die Vertrauensärzte, den sogenannten Monatsblättern,
unternommen hat. Nur handelt es sich hier immer um einen beschränkten
Kreis von Ärzten, während jeden Augenblick jeder Arzt