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Bisehoff, Dio Forderungen der Praxis.
Referat von Direktor Dr. D. Bi sch off (Leipzig)
betreffend
Die Forderungen der Praxis.
Es ist durchaus nicht das erste Mal, daß der heute zur Verhandlung
stehende Gegenstand die Fachwelt beschäftigt. Bei verschiedenen
Gelegenheiten haben bereits früher Theoretiker und
Praktiker ihr Urteil über die Frage abgegeben, wie die Versicherungswissenschaft
am besten gefördert werden könnte. Diese früheren
Urteile sind in der Schrift des Herrn Dr. Manes in dankenswerter
Weise zusammengestellt und verarbeitet worden ; dort findet man
sehr brauchbares Material für die Zwecke der heutigen Tagung.
Dieses Material aber darf ich wohl als bekannt voraussetzen, so
daß ich dasselbe hier übergehen kann. Für mich handelt es sich
an dieser Stelle nur darum, meinen besonderen Standpunkt zu
der auf der Tagesordnung stehenden Frage darzulegen. Dieser
Standpunkt ist der des Versicherungspraktikers. In dieser Beziehung
folge ich dem Beispiel der geehrten Herren Mitreferenten,
die auch das heutige Thema von ihrem Berufsstandpunkte aus betrachtet
haben. Eine derartige Betrachtung erscheint mir auch für
das Referentenkollegium am fruchtbarsten zu sein, und außerdem
wird auf diese Weise den Wiederholungen einigermaßen vorgebeugt.
Die Fragestellung, wie sie uns heute interessiert, weicht ein
wenig ab von dem bei früherer Gelegenheit behandelten Problem.
Die zur Verhandlung stehende Frage ist bekanntlich von einer
hohen Regierungsstelle aufgeworfen worden. Sie ist also wohl in
der Hauptsache in dem Sinne gemeint: Was soll der Staat, was
soll insbesondere die Reichsregierung zur Pflege der Versicherungswissenschaft
unternehmen? Ich meine aber, diese Frage läßt sich
nicht unabhängig von der allgemeinen Frage beantworten, wie
denn überhaupt die Versicherungswissenschaft am besten in Pflege
genommen werden könnte. Die Richtlinien dieser allgemeinen
Wissenschaftspflege haben auch zu gelten für alle staatlichen Unternehmungen
auf diesem Gebiete. Und weiter: Wenn man klarstellen
will, welche Rolle denn überhaupt der Staatstätigkeit bei der Förderung
unserer Wissenschaft zufällt, so muß man auch einen Überblick
darüber besitzen, welche anderen Faktoren denn auf diesem
Gebiete mitzuwirken haben. Nur auf diesem allgemeineren Hintergründe
kann man meines Erachtens die vorliegende Frage zweckmäßig
zur Beantwortung bringen. Ich möchte daher diese Frage
nach der staatlichen Pflege der Versicherungswissenschaft hier in
einen etwas weiteren Rahmen einspannen, als dies seitens der
Herren Mitreferenten geschehen ist.
Wenn wir die Förderung der Versicherungswissenschaft ins
Auge fassen, so müssen wir dabei zweierlei auseinanderhalten, wie
dies auch Herr Regierungsrat Pietsch bereits getan hat. Einmal