Full text : Vorschläge zur Förderung der Versicherungs-Wissenschaft

Bischoff,  Die  Forderungen  der  Praxis.

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handelt  es  sich  darum,  die  Entwicklung  der  Versicherungswissenschaft ­
  zu  fördern,  zweitens  aber  hat  sich  die  Förderung  zu  erstrecken ­
  auf  die  Verbreitung  der  versicherungswissenschaftlichen
Kenntnisse.
Zunächst  die  Förderung  der  Entwicklung  unserer  Wissenschaft, ­
  Diese  Entwicklung  soll  eine  Vervollkommnung  der  wissenschaftlichen ­
  Erkenntnis  sein.  Wir  fragen  uns  da,  in  welchem
Sinne  soll  sie  vor  sich  gehen  und  mit  welchen  Mitteln  kann  sie
betrieben  werden?
Auf  die  Frage,  in  welchem  Sinne  die  Entwicklung  der  Versicherungswissenschaft ­
  gefördert  werden  muß,  läßt  sich  eine  kurze
Antwort  geben:  Die  Theorie  soll  auf  Grund  ihrer  fortschreitenden
Entwicklung  bewirken,  daß  das  Versicherungswesen  immer  vollkommener ­
  gestaltet  wird,  daß  seine  Zweckmäßigkeit,  seine  Nützlichkeit, ­
  seine  Gemeinnützigkeit  sich  vermehrt.  Dieser  praktischen  Aufgabe ­
  muß  unsere  Versicherungswissenschaft  in  immer  höherem  Maße
genügen;  ihr  Zweck  ist  und  bleibt  der,  daß  sie  tüchtige  Fortschritte
auf  dem  gesamten  Gebiete  der  Versicherungspraxis  zeitigt.
Will  die  Versicherungswissenschaft  diesem  Zwecke  wahrhaft
gerecht  werden,  so  bedarf  sie  in  möglichst  hohem  Maße  einer  genauen
Berücksichtigung  der  wirklichen  Verhältnisse  des  Versicherungswesens, ­
  wie  solche  in  dem  Getriebe  dieses  großen  Verkehrsgebietes
täglich  hervortreten.  Bei  einer  ungenügenden  Beachtung  eben  dieser
Wirklichkeit  arbeitet  die  Wissenschaft  mit  falschen  Voraussetzungen
und  verfehlt  so  ihr  Ziel.
Es  kommt  z.  B.  auf  unserem  Gebiete  darauf  an,  daß  die  vorhandenen ­
  Bedürfnisse  und  Interessen  genaue  Beachtung  seitens
der  Wissenschaft  finden.  Die  vielgestaltigen,  wandelbaren  Wünsche
der  Versicherungsbedürftigen,  denen  das  Versicherungswesen  zu  genügen ­
  hat,  wollen  genau  gekannt  sein.  Nicht  minder  ist  beispielsweise ­
  eine  Kenntnis  aller  jener  Ausbeutungsbestrebungen  erforderlich,
mit  denen  wir  es  täglich  bei  dem  versicherungssuchenden  und  versicherten ­
  Publikum  zu  tun  haben.  Ferner  bedarf  es  eines  klaren,
vorurteilsfreien  Einblicks  in  die  Interessen  der  Versicherer,  in  die
Existenzbedingungen  und  Betriebserfordernisse  der  Versicherungsgesellschaften, ­
  in  die  Verhältnisse  des  Wettbewerbs  auf  dem  Versicherungsmarkte ­
  usw.  ;  die  Wissenschaft  muß  sich  im  klaren
darüber  sein,  welche  berechtigten  Wünsche  und  Bestrebungen  hier
in  Frage  kommen  und  welche  unberechtigten  Neigungen  hier  und
da  bestehen.  Und  auch  die  Interessen  des  gewaltigen  Mitarbeiterapparats ­
  dürfen  seitens  der  Wissenschaft  in  keiner  Weise  verkannt
werden.  Der  Innen-  und  Außendienst  des  Versicherungsgewerbes
umfaßt  Tausende  und  Abertausende  von  Staatsbürgern,  die  mit  ihren
Familien  hier  in  fleißiger  Arbeit  die  erforderliche  Existenz  suchen.
Dieses  und  manches  andere  muß  die  Theorie  kennen  und  berücksichtigen, ­
  wenn  sie  wahrhaft  gedeihlich  wirken  soll.  Aber  die
Kenntnis  dieser  Individualinteressen  genügt  für  sie  noch  nicht
zu  einem  wirklich  fruchtbaren  Schaffen.  Ich  behaupte:  das  soziale
            
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