Bischoff, Die Forderungen der Praxis.
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Kulturgebiete beachtet sein: die Freiheit der Energie muß stets
in weitem Umfange gewahrt bleiben, wenn wahre Tüchtigkeit und
Zufriedenheit in unserem ganzen sozialen Getriebe zur Entwicklung
gelangen soll. Man beobachte doch die Wirklichkeit ! Fast alles,
was auf dem Gebiete der Versicherung an wertvollen Errungenschaften
vorhanden ist, verdanken wir jener Freiheit der Energie,
nicht aber der unmittelbaren Wirksamkeit des Staates. Eine Wissenschaft,
die diese wichtige soziale Tatsache auf unserem Gebiete nicht
anerkennt und respektiert, die vielmehr unter dem Einfluß des
herrschenden sozialistischen Dogmas nur noch Blick hat für das,
was dem bisherigen Privatbetriebe an Unvollkommenheit und Schäden
anhaftet, eine solche Wissenschaft vermöchte wahrlich nicht den
rechten Nutzen zu stiften.
So komme ich denn zu dem Schlüsse: Neben jener ersterwähnten
genauen Kenntnis der wirklichen Verhältnisse, Bedürfnisse und
Interessen des alltäglichen Versicherungsbetriebes muß in unserer
Wissenschaft eine richtige, in der klaren, unbefangenen Würdigung
der Wirklichkeit wurzelnde soziale Zielsetzung zur Geltung
kommen. Ist dies nicht der Fall, so können wir die erwünschte
Entwicklung dieses großen und wichtigen Wissenszweiges nicht
erhoffen.
Nun aber fragt es sich weiter: Wie ist denn eine diesen Anforderungen
entsprechende Entwicklung unserer Wissenschaft zu
bewerkstelligen, welche Mitttel sind es, die einer solchen Entwicklung
dienlich sein könnten?
Bei der Beantwortung dieser Frage wird man sich u. a. klarmachen
müssen, wie denn jene Kenntnis der wirklichen Verhältnisse
unseres vielgestaltigen und wandlungsreichen Arbeitsgebietes,
von der vorhin die Rede war, erworben werden kann. Da
ist zunächst zu sagen: In hohem Maße läßt sich jene Kenntnis
offenbar erwerben durch die tägliche Lösung der praktischen Aufgaben
des Versicherungsbetriebes. Zahlreiche Kenntnisse der fraglichen
Art wird sich im allgemeinen nur der Praktiker erwerben
können durch seine nimmer rastende Betriebserfahrung. Ich denke
dabei durchaus nicht nur an den Praktiker des Privatversicherungswesens,
sondern natürlich ebenso an den der öffentlichen Versicherungsbetriebe.
Wenn dem so ist, so möchte ich den Satz aufstellen, daß im
Interesse einer wahrhaft tüchtigen Wissenschaft die fleißige Mitarbeit
der Praktiker sehr erwünscht erscheint. Zu meiner
Freude ist heute diesem Gedanken auch von dem Vertreter des
Reichsamts des Innern, Herrn Geheim rat Dr. Kucken-Addenhausen,
Ausdruck gegeben worden ; mit Recht wies der Herr Geheim rat
darauf hin, daß bei den heute hier besprochenen Aufgaben den
Praktikern eine gewichtige Rolle zugedacht sei.
Die Schwierigkeiten einer solchen Mitarbeit der Praktiker sind
ich verkenne das nicht — keineswegs geringe. Eine Schwierigkeit
liegt darin, daß bei dem Praktiker zwar die Einzelkenntnisse
vorhanden sind, daß es aber an den rechten all-