Dr. Bohlmann, Dr. Apt.
59
auch die einzig naturgemäße, weil ja doch die Versicherungsunternehmungen
als kaufmännische Unternehmungen in erster Reihe denjenigen
Akademien am nächsten stehen, welche sich der Ausbildung
von Kaufleuten widmen.
Bei der praktischen Ausführung dürfte es sich aber auch zeigen,
daß die Gründung einer derartigen Sonderakademie eine Kraft- und
Geldvergeudung wäre; denn das Versicherungsrecht ist nicht ein für sich
bestehendes Recht, sondern ein Teil des Gesamt rechts, die Versicherungsökonomie
steht nicht für sich besonders da, sondern ist nur ein Teil der
gesamten Nationalökonomie. Es müßte also auf dieser Versicherungsakademie
ebenso wie auf der Handelshochschule Rechtswissenschaft,
Nationalökonomie, Mathematik und Versicherungsmedizin gelehrt
werden, mit anderen Worten, die gleichen Fächer würden auf zwei
verschiedenen Anstalten gelehrt. Das wäre eine Vergeudung an
Geld und Kraft, und es wäre dies um so unverständlicher in der
Zeit, wo gerade alle großen Unternehmungen, welche gleichmäßige
Zwecke und Ziele verfolgen, heute sich zusammentun, weil das das
einzig Rationelle ist.
Es scheint mir auch ferner nicht richtig, daß die Versicherungsbeflissenen
von Anfang an sich derart absondern. Ich glaube, daß
es gerade natürlich wäre, daß sie ihren Studiengang in Gemeinsamkeit
mit denjenigen nehmen, welche auf die Handelshochschule kommen,
welche später einmal als Kaufleute, als Leiter großer kaufmännischer
und großer industrieller Betriebe dauernd kaufmännisch und geschäftlich
mit den Versicherungsgesellschaften verknüpft sind, und
ich glaube nicht zuletzt, daß gerade der Überblick über das Ganze
auf einer Sonderakademie verloren gehen würde.
Nun ist gesagt worden, einzelne Vorlesungen an der Universität
oder Handelshochschule das wäre nichts. M. II., das ist richtig;
aber die Handelshochschule ist doch sehr gut geeignet, gerade die
Versicherungsabteilung so auszubauen, daß sie im Grunde alles das
enthält, was in einer Sonderakademie gelehrt werden kann, und ich
glaube, daß nach dieser Richtung hin sehr bemerkenswerte Ansätze
bereits vorhanden sind. Was speziell die im Bestehen begriffene
Berliner Handelshochschule anlangt, so möchte ich namens der
Ältesten der Berliner Kaufmannschaft die Erklärung abgeben,
daß alles getan werden wird, um der Pflege der Versicherungswissenschaft
eine eingehende Stätte zu bieten, und ich darf weiter hinzufügen,
daß, wenn die Ältesten der Berliner Kaufmannschaft an die
Organisation des Lehrplans heran geh en werden, sie gerade den
Verein der Versicherungs-Wissenschaft hier bitten werden, eine gutachtliche
Ansicht darüber abzugeben, wie am besten dieser Lehrplan
gestaltet werden kann. 1 )
Ich bin überzeugt, daß die wohlbegründeten Vorschläge des
Vereins die ernsteste und eingehendste Würdigung finden werden.
Solange daher nicht festgestellt ist, daß derartige an die Handelsh
Kin entsprechendes Schreiben haben die Ältesten der Kaufmannschaft
inzwischen an den Deutschen Verein für Versicherungs-Wissenschaft gerichtet. D. H.