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Nach Clarksons Einteilung, der sich auch S. v. Walters
hausen anschliefst, lassen sich in der Abolitionsgeschichte von
1640—1807 vier Stufen unterscheiden.
Die erste Stufe umfafst diejenige Zeit, in welcher die
Masse der Bevölkerung sich noch teilnahmslos gegenüber dem
Treiben der Sklavenhändler verhielt und nur vereinzelte Männer,
ihrer Zeit weit voran, verkündeten, dafs Sklaverei und Sklaven
handel mit den Grundsätzen der allgemeinen und christlichen
Moral im Widerspruch ständen. Wirtschaftliche oder politische
Beweggründe spielen hier noch keine Rolle. Die Träger der
Bewegung sind edelgesinnte Missionare, Gelehrte, Dichter,
Schriftsteller oder Weltreisende, die von der Aufhebung des
herrschenden Systems durchaus keinen persönlichen Vorteil
erwarteten, sondern aus reiner Menschenliebe dagegen eiferten.
Godwyn und Baxter sind die frühesten, Montesquieu und
Rousseau die bekanntesten Vertreter aus dieser Gruppe. Als
ihre Gegner kamen nicht nur die ökonomisch an der Sklaverei
interessierten Kreise in Betracht. Es fehlte nicht an nam
haften Gelehrten, die theoretisch genau den entgegengesetzten
Standpunkt wie die Abolitionisten verfochten und scharfsinnig
zu beweisen versuchten, der Neger sei gar kein Mensch im
gewöhnlichen Sinne; denn er hätte ganz andere Gefühle, Be
griffe, eine ganz andere Logik wie der Europäer. Aus Bibel
stellen wurde klar und deutlich bewiesen, dafs auch die frommen
Erzväter, dafs selbst Christus und seine Apostel die Sklaverei
geduldet hätten. So wogte der Federkampf hin und her. Das
Negersklaventum eroberte sich unterdessen die neue Welt.
Auf der zweiten Stufe bemächtigten sich die kirch
lichen Sekten dieser Angelegenheit. Namentlich die Glaubens
sätze der Quäker machten sie zu geborenen Verfechtern des
Freiheitsgedankens. Schon ihr Stifter George Fox ermahnte
seine Glaubensbrüder zur Milde gegen ihre Sklaven. 1727
untersagten die in England wohnenden Quäker ihren Mit
gliedern die Teilnahme am Sklavenhandel. Die in Nord
amerika wohnenden verpflichteten sich 1754/55, keine Sklaven
mehr zu kaufen oder einzuführen. Durch derartige Beschlüsse
erreichten sie, dafs sich seit den 1770er Jahren kaum noch
ein Sklave in ihrem Besitze befand. J. Woolmann (geb. 1720)
und A. Benezet (geb. 1713) gebührt daran das Hauptverdienst.
Auf der dritten Stufe verliert die Angelegenheit
ihren konfessionellen Charakter. Es bilden sich interkonfessio
nelle Gesellschaften, deren Mitglieder allein durch den Zweck
der Sklavenbefreiung verbunden sind.
Bisher stand das grofse Publikum in England dem Schau
platz der Gewalttaten zu fern, als dafs es an der Agitation
einzelner Philantropen hätte gröfseren Anteil nehmen können.
Das änderte sich, als der gröfsere Verkehr immer häufiger
exotische Pflanzer mit ihrer schwarzen Dienerschaft nach Eng-
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