Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.

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Nach  Clarksons  Einteilung,  der  sich  auch  S.  v.  Waltershausen ­
  anschliefst,  lassen  sich  in  der  Abolitionsgeschichte  von
1640—1807  vier  Stufen  unterscheiden.
Die  erste  Stufe  umfafst  diejenige  Zeit,  in  welcher  die
Masse  der  Bevölkerung  sich  noch  teilnahmslos  gegenüber  dem
Treiben  der  Sklavenhändler  verhielt  und  nur  vereinzelte  Männer,
ihrer  Zeit  weit  voran,  verkündeten,  dafs  Sklaverei  und  Sklavenhandel ­
  mit  den  Grundsätzen  der  allgemeinen  und  christlichen
Moral  im  Widerspruch  ständen.  Wirtschaftliche  oder  politische
Beweggründe  spielen  hier  noch  keine  Rolle.  Die  Träger  der
Bewegung  sind  edelgesinnte  Missionare,  Gelehrte,  Dichter,
Schriftsteller  oder  Weltreisende,  die  von  der  Aufhebung  des
herrschenden  Systems  durchaus  keinen  persönlichen  Vorteil
erwarteten,  sondern  aus  reiner  Menschenliebe  dagegen  eiferten.
Godwyn  und  Baxter  sind  die  frühesten,  Montesquieu  und
Rousseau  die  bekanntesten  Vertreter  aus  dieser  Gruppe.  Als
ihre  Gegner  kamen  nicht  nur  die  ökonomisch  an  der  Sklaverei
interessierten  Kreise  in  Betracht.  Es  fehlte  nicht  an  namhaften ­
  Gelehrten,  die  theoretisch  genau  den  entgegengesetzten
Standpunkt  wie  die  Abolitionisten  verfochten  und  scharfsinnig
zu  beweisen  versuchten,  der  Neger  sei  gar  kein  Mensch  im
gewöhnlichen  Sinne;  denn  er  hätte  ganz  andere  Gefühle,  Begriffe, ­
  eine  ganz  andere  Logik  wie  der  Europäer.  Aus  Bibelstellen ­
  wurde  klar  und  deutlich  bewiesen,  dafs  auch  die  frommen
Erzväter,  dafs  selbst  Christus  und  seine  Apostel  die  Sklaverei
geduldet  hätten.  So  wogte  der  Federkampf  hin  und  her.  Das
Negersklaventum  eroberte  sich  unterdessen  die  neue  Welt.
Auf  der  zweiten  Stufe  bemächtigten  sich  die  kirchlichen ­
  Sekten  dieser  Angelegenheit.  Namentlich  die  Glaubenssätze ­
  der  Quäker  machten  sie  zu  geborenen  Verfechtern  des
Freiheitsgedankens.  Schon  ihr  Stifter  George  Fox  ermahnte
seine  Glaubensbrüder  zur  Milde  gegen  ihre  Sklaven.  1727
untersagten  die  in  England  wohnenden  Quäker  ihren  Mitgliedern ­
  die  Teilnahme  am  Sklavenhandel.  Die  in  Nordamerika ­
  wohnenden  verpflichteten  sich  1754/55,  keine  Sklaven
mehr  zu  kaufen  oder  einzuführen.  Durch  derartige  Beschlüsse
erreichten  sie,  dafs  sich  seit  den  1770er  Jahren  kaum  noch
ein  Sklave  in  ihrem  Besitze  befand.  J.  Woolmann  (geb.  1720)
und  A.  Benezet  (geb.  1713)  gebührt  daran  das  Hauptverdienst.
Auf  der  dritten  Stufe  verliert  die  Angelegenheit
ihren  konfessionellen  Charakter.  Es  bilden  sich  interkonfessionelle ­
  Gesellschaften,  deren  Mitglieder  allein  durch  den  Zweck
der  Sklavenbefreiung  verbunden  sind.
Bisher  stand  das  grofse  Publikum  in  England  dem  Schauplatz ­
  der  Gewalttaten  zu  fern,  als  dafs  es  an  der  Agitation
einzelner  Philantropen  hätte  gröfseren  Anteil  nehmen  können.
Das  änderte  sich,  als  der  gröfsere  Verkehr  immer  häufiger
exotische  Pflanzer  mit  ihrer  schwarzen  Dienerschaft  nach  Eng-2*

            
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