Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

38

XXV  1.

konnten,  für  den  Lebensmittel-  und  Holzexport  der  abgefallenen
Vereinigten  Staaten  einen  Ersatz  zu  bieten.  Von  701  Topsegelschiffen ­
  und  1681  Schaluppen,  die  im  Jahre  1772  aus
nordamerikanischen  Häfen  nach  Westindien  gesegelt  waren,
entfielen  nur  2  der  ersteren  und  11  der  letzteren  auf  das
später  so  genannte  Britisch-Nordamerika.  Im  Winter  war  die
Schiffahrt  mit  Kanada  über  den  St.  Lorenz  durch  Eis,  im
Sommer  durch  widrige  Winde  gesperrt.  Trotz  dieser  ungünstigen ­
  Berichte  empfahl  das  Komitee  eine  genaue,  straffe
Befolgung  des  Prohibitivsystems.  Jede  Abweichung  davon
würde  Grofsbritanniens  Handel  und  Schiffahrt  der  Rivalität  der
revoltierenden  Untertanen  aussetzen.  „72000  Pflanzer  und
400000  Sklaven  können  gewifs  keinen  hinreichenden  Grund
dazu  geben,  den  Vorteil  und  sogar  die  Unabhängigkeit  der
englischen  Nation  zu  opfern!“  (G.  Chalmers,  S.  62).  „If  the
West-Indies  expect  protection  from  Great  Britain,  they  must
be  useful  to  her!“  (ebendort,  S.  125).  Die  Drohungen  der
Westindier,  von  England  abzufallen  und  sich  der  Union  anzuschliefsen,
  wurden  in  England  kühl  aufgenommen;  denn
man  durchschaute  zu  deutlich,  dafs  Westindien  sich  hüten
würde,  sein  Kolonialwarenmonopol  auf  den  englischen  Markt
aufs  Spiel  zu  setzen.  Nur  England  konnte  ihm  die  hohen
Zuckerpreise  bewilligen,  ohne  welche  die  britischen  Pflanzer
ihre  Wirtschaft  nicht  weiterzuführen  vermochten.
So  siegte  in  England  der  schutzzöllnerische  Gedanke.
Auch  die  Absicht,  die  treugebliebenen  Kanadier  durch  das
Monopol  auf  den  westindischen  Markt  zu  belohnen,  mag  dazu
beigetragen  haben.  An  Vergeltungsmafsregeln  der  unter  sich
selbst  noch  uneinigen  und  rivalisierenden  Freistaaten  glaubte
niemand.  Man  nahm  an,  dafs  die  Vereinigten  Staaten  ihre
agrarischen  Interessen  etwaigen  handelspolitischen  Vorteilen
vorläufig  voranstellen  würden.  Am  4.  April  1788  trat  in  England ­
  ein  Gesetz  in  Kraft,  welches  die  Ordre  vom  Jahre  1783
bestätigte  und  die  amerikanischen  Schiffe  in  den  britischen
Häfen  Westindiens  ausschlofs.

2.  Die  gröfsere  Fruchtbarkeit  «1er  ausländischen  Kolonien.
Durch  die  politische  und  wirtschaftliche  Trennung  Britisch-WOstindiens
  von  den  Vereinigten  Staaten  gewannen  die  französischen ­
  und  spanischen  Kolonien  Gelegenheit,  ihre  natürlichen ­
  Vorzüge  an  Fruchtbarkeit,  worin  sie  die  britischen
Inseln  weit  übertrafen,  geltend  zu  machen.  Der  bisherige
Wohlstand  der  britischen  Pflanzer  hatte  vor  allem  auf  der
Vorzugsstellung,  die  ihnen  auf  dem  nordamerikanischen  Kontinente ­
  eingeräumt  war,  nicht  etwa  auf  der  Fruchtbarkeit
ihres  Bodens  beruht.  Die  nichtbritischen  Plantagen  gaben
viel  höhere  Erträge,  wie  folgende  Quellenangaben  versichern.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.