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XXV 1.
every view of expediency, every call of urgent necessity now
concur in this recommendation“ (= abolition) (Brougham IV,
S. 469 u. 473). Dafs da, wo den Negern eine gute Behand
lung zuteil wurde, ihre Zahl sich rasch vermehrte, bewiesen
die vielen Beispiele, welche Clarkson mitgeteilt hat (Impol. II,
ch. I).
Des Zusammenhanges wegen sei hier gleich vorweg
genommen, dafs die Entbehrlichkeit des Sklavenhandels für
Britisch-Westindien auch in der folgenden Kriegszeit von
1793 — 1807 bestehen blieb. Aus den Bevölkerungsangaben,
welche Moreau de donnés (S. 102 ff.) für die Zeit von 1787
bis 1805 gibt, geht hervor, dafs sich die Negerbevölke
rung von Barbadoes, Grenada, Antigua und Montserrat gar
nicht verändert hat. Es können mithin von den in diese
Inseln importierten Sklaven nur sehr wenige dort geblieben
sein, da sie nach dem auf Seite 54 Mitgeteilten ihre Be
völkerung ohne Zufuhren aufrecht zu erhalten vermochten.
Die anderen Inseln : St. Christopher, Dominica und St. Vincent
haben in diesen 19 Jahren zusammen nur um 17 330 Neger
zugenommen! Also auch hierhin müssen die Sklavenimporte,
da die Negerbevölkerung ihre Zahl auf dem natürlichen Wege
mindestens aufrecht erhielt, unerheblich gewesen sein. Für
die genannten Inseln hatte deshalb Dundas Vorschlag vom
Jahre 1792 (siehe S. 25), mit der Abolition noch einige Jahre
zu warten, um den Pflanzern Gelegenheit zu geben, sich ge
nügend zu versehen, wenig praktischen Wert. Anders stand
es damals allerdings mit Jamaika. Es hat bis zuletzt vom
Sklavenhandel ausgiebig Gebrauch gemacht. In den 17 der
Abolition vorhergehenden Jahren hat es noch fast 150000 Neger,
d. h. durchschnittlich jährlich gegen 8000 Stück importiert
(Carey, S. 10 ff., und Wilberforce, H. o. C., 27. Juni 1806).
Die Ursache hierfür lag teils in der grofsen Menge unange-
bauten Landes, das zur Anlage neuer Plantagen an reizte, mehr
aber noch in der grofsen Aufschwungsbewegung des britischen
Kolonialhandels seit 1793, auf die wir im zweiten Abschnitt
zu sprechen kommen. Abgesehen von diesen besonderen
Gründen hatte Wilberforce im allgemeinen wohl recht, wenn
er (H. o. C., 30. Mai 1804) sagte: „Die Pflanzer würden durch
die Abolition keinen Schaden erleiden, da die Neger sich fast
von selbst vermehrten.“ —
Die französischen und spanischen Kolonien konnten von
sich nicht dasselbe sagen. Ihr unvergleichlich gröfserer Ge
bietsumfang, ihre dünnere Bevölkerung und gröfsere Frucht
barkeit waren schon an sich Gründe genug gewesen, die
Sklavenimporte noch auf Generationen hinaus weiterzuführen.
Während z. B. in Britisch-Westindien auf einen Weifsen
10 Sklaven entfielen, standen auf Kuba, das noch die meisten
Sklaven von allen spanischen Besitzungen enthielt, 274000