Meinung: diejenigen Leistungen, dican niveau ihres eigenen Fassungs
Vermögens liegen, sind tatsächlich nicht berühmt.
Aber sie entscheiden auch ganz gewiß nicht über die geschicht
liche Bedeutung eines Denkers wie Marx. Zumal in unserer Zeit
ist die Beschäftigung, die sich auf die Vervollkommnung des tech
nischen Apparates der sozialen Wissenschaften richtet, zu einer wahren
Schusterarbeit geworden, die recht und schlecht von einem beliebigen
Ordinarius der Nationalökonomie ausgeführt werden kann.
Was aber ist es denn nun in Wirklichkeit, das Marx die
überragende Größe als Menschheitsforscher verleiht? Nun offenbar
ein Geist, der in Überlebensgröße sich in diesem Menschen betätigen
konnte: eine wundersame Fruchtbarkeit an neuen und schöpferischen
Ideen, on unerhörten Gesichten.
Kraft dieses Geistes — seines Schaffens selbst völlig unbe-
wnßt — wurde Marx der Begründer der modernen systematischen'
Sozialwissenschaft, für die er überhaupt erst die Möglichkeit ge
schaffen hat.
Zunächst holte er die Nationalökonomie aus den nebelhaften
Regionen der Teleologie, in die sie sich verstiegen hatte, herunter
und stellte sie auf den sicheren Boden einer durchgängig kausalen,
von allem ethischen oder utilitarischen Beiwerk freien Betrachtungs
weise. Was das bedeutete, vermögen wir zu ermessen, wenn wir
die Nationalökonomen, die an Marx vorbeigegangen sind, betrachten:
wie sie noch heute zwischen Kausalität, apriorischer Teleologie und
dilettantischer Ethik als orientierende Prinzipien hilflos hin und
herschwanken.
Dann aber zeigte er uns, wie man die Einsicht in den histo
rischen Charakter des Wirtschaftslebens, also seine stete Wandelbarkeit
im Ablauf der Geschichte vereinigen kann mit einer systematischen