sind nur in Gressstädten an frequenter Lage wenige wirklich
leistungsfähige Apotheken vorhanden. Niemand würde Vorteil
aus einem solchen Wechsel ziehen, Niemand kann rechtes Vertrauen
zu solchen Apotheken haben und Niemand kann einen
solchen Zustand herbeiwünschen. Bei unbeschränkter Niederlassungsfreiheit
hat Wissen und Können der Apotheker fast
gar keine Bedeutung mehr. Wer am lautesten die Reklametrommel
rühren kann und mag, kommt am weitesten. Eine
unausgesetzte, nur auf Verdienst gerichtete Tätigkeit hinter
dem Ladentisch würde den Platz einnehmen, den doch zum
Glück noch in vielen Apotheken die Tätigkeit im Laboratorium,
am Studiertische und der Unterricht der Zöglinge einnimmt.
Konkurrenzneid und Kundenjägerei, steter Aerger, frühzeitiges
Altern und baldige Kampfesmüdigkeit würden die Folge sein.
Für einen derartigen Zustand müsste erst ein ganz neues kaufmännisch
erzogenes Geschlecht von ganz anderer Denkungsweise
herangebildet werden, wir Alten mit unseren soliden
Grundsätzen und unseren höheren Anschauungen von den
Pflichten des Apothekers müssten dann erst das Feld räumen.“
Wenn man nun aber die Verhältnisse in den verschiedenen
Ländern mit Niederlassungsfreiheit näher betrachtet, wird
man finden, dass die von Apotheker Andrée ausgesprochenen
Befürchtungen ganz und gar nicht zutreffen. Der Handel ist
gewiss nicht das Ziel pharmaceutischer Tüchtigkeit, aber durchaus
unentbehrlich und notwendig für jede Apotheke. Es ist
ferner nicht anzunehmen, dass nur in grossen Städten Apothe
ken entstehen würden, finden wir doch z. B. Aerzte ebenso
wie in grossen Städten in kleinen und kleinsten Orten, oft
unter anscheinend ungünstigsten Verhältnissen im Gebirge und
in ärmlichen Dörfern. Es werden im Gegenteil in vielen Ortschaften,
die heute noch immer ohne Apotheken sind, solche
entstehen und sicher auch prosperieren. Auch ist nicht recht
verständlich, warum Landgeschäfte, die unter dem bisherigen
Konzessionssystem bestehen konnten, nach Einführung der
Niederlassungsfreiheit nur dann sollten bestehen können, wenn
die Gemeinden grosse Zuschüsse leisteten; besser stehen werden
sich die betreffenden Apotheken schon deshalb, weil ihre,
wenn auch geringen Ideal werte bei Einführung der Niederlassuugsfreiheit
abgelöst werden würden.
Dass die Arzneipreise nicht beliebig in die Höhe geschraubt
werden dürften, dafür könnte eine Maximal-Taxe vorgesehen
werden. Andrée vertritt, wie alle Anhänger des Real-Konzessionssystems
die Ansicht, dass in den Ländern mit Gewerbefreiheit
die Arzneipreise höher seien, als in Deutschland ; ober-