Full text : Sozialismus und Regierung

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allgemeinen  sozialen  Fortschritt  und  stempelt  jeden  Zeitabschnitt  und
dessen  Institutionen  zu  bloßen  Auswüchsen  des  Klassenunrechts.
Die  historischen  Perioden  wären  Perioden  menschlicher  Anstrengungen
gewesen,  die  menschliche  Vernunft  zu  durchkreuzen  und  die  allgemeine ­
  Wohlfahrt  zu  untergraben.  Die  Ansicht,  daß  die  Schiebungen
der  Mächte  der  Gewalt  und  des  Betruges  den  historischen  Fortschritt ­
  erklären,  ist  das  natürliche  Produkt  einer  Zeit,  die  mit  plötzlich ­
  sich  vollziehenden  Umwandlungen  erfüllt  und  mit  gewalttätigen,
revolutionären  Stimmungen  gesättigt  war.  In  den  Schriften  von  Marx
und  Engels  zeugen  viele  Spuren  von  der  Tatsache,  daß  diese  beiden
Männer  ihre  Formeln  schufen,  als  sich  Europa  in  großer  Gärung  und
Spannung  befand  (z.  B.  verdunkelten  die  Ereignisse  von  1848  und  der
folgenden  Jahre  zeitweilig  die  Bedeutung  des  kommunistischen  Manifestes), ­
  und  daß  es  ferner  für  sie  von  Nachteil  gewesen  ist,  mehr  der
Hegelianischen  Metaphysik  als  der  empirischen  Methode  des  Darwinismus ­
  gefolgt  zu  sein.
Die  Vorherrschaft  verschiedener  Klassen  entsteht  im  Laufe  der  gesellschaftlichen ­
  Entwicklung.  Sie  ist  eine  Erscheinung  im  Werdegang
der  sozialen  Zwecke,  aber  kein  Beweis  dafür,  daß  die  eigennützigen
Interessen  der  Klassen  jeweilig  genügend  Kräfte  in  deren  Dienst  gestellt ­
  haben,  die  sie  in  den  Stand  setzen,  dem  Staate  ihren  Willen  zu
diktieren.  Daß  der  Staat  den  Geist  und  die  Zwecke  der  Klassen  ausdrückt, ­
  die  zu  einer  gegebenen  Zeit  die  öffentliche  Gewalt  in  Händen
haben,  ist  ein  Gemeinplatz.  Wie  könnte  er  auch  anders?  Die  Tat
drückt  den  Willen  des  Handelnden  aus.  Doch  hiervon  auszugehen,
es  Engels  an  zitierter  Stelle  tut,  und  zu  schließen,  daß,  wenn  die
herrschenden  Klassen  verschwinden,  auch  der  Staat  absterben  werde,
kommt  der  Schlußfolgerung  gleich,  daß,  wenn  der  Wille  sich  verändert,
der  Körper,  dessen  er  sich  als  Organ  seiner  Wünsche  bediente,  zu  sein
aufhört  —  „er  wirtTnicht  abgeschafft,  er  stirbt  ab".
Der  Staat  stirbt  nicht  ab,  er  kann  nicht  absterben.  Die  Klassenherrschaft, ­
  die  bis  heute  die  Geschichte  der  Zivilisation  ist,  ist  eine
natürliche  und  vernünftige  Aufwärtsbewegung  neuer  Interessen,  die
aus  alten  erwachsen,  eine  Erweiterung  politischer  und  wirtschaftlicher
Freiheit.  Wir  hätten  nicht  im  Handumdrehen  aus  dem  politischen
Chaos  in  die  vollkommene  Staatsorganisation  übergehen  können.  Der
Übergang  von  der  persönlichen  Gewalt  zu  der  demokratischen  mußte
            
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