Full text: Russlands Bankerott

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Die Jagd nach Jeder Minister, jede Verwaltungsbehörde 
fetten verlangt so viel als möglich. Die Beamten 
' setzen ihrem entfachten Appetit keine Schranken. 
Sie fordern große Summen zur Verfügung und 
Kredit. Im Staatsrate beginnt der Handel. 
Das Finanzministerium nimmt den Löwen 
anteil in Anspruch. Es muß ihn jedoch mit 
dem Hofe, mit dem Kriegs- und Marine 
ministerium und dem Ministerium des Innern 
teilen. Die anderen kommen nur dann in Be 
tracht, wenn an ihrer Spitze ein Günstling des 
Zaren oder eine durch Konzessionen ganz be 
sonders einflußreiche Persönlichkeit steht. Und 
der Staatsrat beschränkt sich aus die Rolle des 
Zwischenhändlers derart, daß es darin „nie 
verschiedene Meinungen" gibt; die „Mitglieder 
desselben machen einander Konzessionen und 
sind zu jedem Kompromiß bereit". Aus diese 
Weise wird dem Monarchen „ein einheitliches 
Budget vorgelegt, das in Praxis um den teueren 
Preis der ungeheueren Etatüberschreitungen 
verwirklicht wird"?) 
Es ist selbstverständlich, daß der Staatsrat 
unter diesen Umständen den Willen des Mon 
archen nicht einschränkt; um so mehr, als eine 
ganze Reihe anderer Einrichtungen bezüglich 
der Ausstellung des Budgets in Etatsüber 
schreitungen mit dem Staatsrat konkurrieren. 
Und zwar geht diese Art Konkurrenz nur teil 
weise öffentlich vor sich, das meiste aber spielt 
sich hinter den Kulissen geheim ab. Als öffent 
liche Organe erscheinen hier die Minister, die 
ohne Rücksicht auf den Staatsrat persönlich den 
Kaiser um Kreditzuschüsse ersuchen; andere 
Kreditzuschüsse werden in besonderer Beratung 
mitdemVorsitzendendesOekonomiedepartements, 
dem Staatskontrolleur, dem Kriegsminister und 
den Ministern der Finanzen und der Marine 
erlangt. Im dritten Falle endlich, wo es sich 
um die Staatsschulden handelt, hat das Wort 
noch eine geheime Einrichtung, die als „das 
Komitee der Finanzen" bezeichnet wird. Selbst- 
Prof. Koskunow. Rufs. StaatSr. Bd. II, S. 33 ff.
	        
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