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Ein weiterer Mangel des Ertragssteuersystems liegt darin, daß
der Steuersatz nicht mit der Höhe des Ertrags progressiv steigt,
sondern proportional bleibt. Wenn ein Steuerpflichtiger einen
Ertrag von E>0 000 Mk. hat, so zahlt er genau ebenso nur
3,9 % Staatsstener wie ein anderer, der nur einen Ertrag von
1000 Mk. aufzuweisen hat. Diesen Mangel haben die bestehenden
Ertragssteuern übrigens gemein mit der Kapital- und Renten-,
Dienst- und Berufseinkommenssteuer. Nur die Dienst- und Berufseinkommenssteuer
ist von einem Einkommen von 3400 Mk. abwärts
degressiv gestaltet, das heißt je kleiner das Einkommen wird, um
so kleiner ist der Teil desselben, der der Besteuerung unterworfen
wird. Aber diele Degression kommt auch den allergrößten Einkommen
zugute. Im übrigen gilt auch für diese Steuer ein proportionaler
Steuersatz. Der Direktor einer Aktiengesellschaft mit einem Gehalt
von 20000 oder 30000 Mk. wird genau mit demselben Steuermaßstab
getroffen wie seine Werksührer und selbst seine Arbeiter.
Die Ertragssteuern sind veraltet; das starre Katastrierungssystem
paßt in unsere schnelllebende Zeit mit ihrem täglichen
Wechsel, ihren Veränderungen nicht mehr hinein. An ihre Stelle
hat zu treten eine allgemeine progressive Einkommenssteuer, die
zugleich die Dunst-und Berufseinkommenssteuer erseht, und daneben
als Ergänzungssteuer eine Vermögenssteuer.
Die Steuerreformforderung bei den Wahlen
1895 und ihr Erfolg.
Bei den Landtagswahlen im Jahre 1895 begegnete man in
den Programmen aller Parteien der Forderung der Steuerreform.
Die Sozialdemokratie forderte die Deckung aller Staats- und
Gemeindeausgaben, soweit die aus dem Staatsvermögen erzielten
Einnahmen nicht hinreichen, durch eine stufen weis steigende
Einkommens- und Vermögenssteuer, sowie durch eine
Erbschaftssteuer, stufenweis steigend nach dem Umfang des
Erbguts und nach dem Grade der Verwandtschaft. Ein sehr
einleuchtendes Stenerprogramm, das sich eine große Anhängerschaft
erwerben mußte, wenn nicht die bürgerlichen Parteien in
ihren Wahlversprechungen den Wählern auf diesem Gebiet einige
Konzessiönchen machten. Hierzu ent'chlossen sie sich. So kam es,
daß mit Ausnahme der Deutschen Partei, die sehr zurückhaltend
zu Werke ging, alle Parteien auffallend radikale Steuerreformforderungen
erhoben.