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Die bürgerlichen Parteien hätten, wenn sie ehrlich für die
Forderungen ihrer eigenen Wahlprogramme eintreten wollten,
ohne Ausnahme diesem Antrag zustimmen müssen. Sie hatten
alle die Einführung der allgemeinen Einkommenssteuer gefordert:
dem entsprach der Antrag der Sozialdemokraten, insofern er
den Einkommenssteuerentwurf nicht zurückwies, sondern dessen Beratung
nur ans kurze Zeit zurückstellen wollte; sie hatten alle die Abschaffung
der Ertragsstenern und Einführung der Vermögenssteuer
gefordert: dem entsprach der Antrag der Sozialdemokraten, insofern
er die Beratung des neuen Kapitalsteuerentwurfes und des
Entwurfes zur Umwandlung der Ei tragssteuern ablehnte und die
Vorlegung eines Vermögenssteuerentwurfes forderte; sie hatten die
Beseitigung des Umgeldes als erstrebenswert bezeichnet: der Antrag
der Sozialdemokraten zeigte den Weg, auf dem man zu einem Ersatz
gelangen konnte, insofern er die Ausgestaltung der Erbschafts- und
Schenkungssteuer forderte; sie hatten alle eine gerechte Reform des
Gemeindesteuerwesens gefordert: dem entsprach der Antrag der
Sozialdemokraten, insofern er auch für die Gemeindebesteuerung
nur die Leistungsfähigkeit als Maßstab anerkennen wollte.
Was aber geschah nun? Nicht ein einziger der Redner der
bürgerlichen Parteien fand ein Wort für den Antrag der Sozialdemokraten.
Der Redner der Volkepartci schwieg sich ganz aus
über ihn. Der Führer desselben Zentrums, das schon 1895
seinen Wählern gleichzeitig die Einführung einer progressiven
Einkommens- und einer progressiven Vermögenssteuer
versprochen hatte, wandte sich jetzt, wo es Farbe bekennen hieß,
von oben herab gegen das „Schlagwort" Vermögenssteuer, auf
das er sich mit seinen Freunden nicht festlegen wolle. „Einstweilen"
müsse man die Ertragssteuern mit allen ihren großen
Nachteilen beibehalten. Der Redner der Deutschen Partei erklärte,
daß „im Prinzip" die Vermögenssteuer, und zwar die
progressive, den bestehenden Ertragssteuern vorzuziehen wäre, als
es aber galt, diese prinzipielle Auffassung praktisch zu betätigen,
da versagte natürlich die Deutsche Partei. Daß auch der Redner
der Privilegierten für den sozialdemokratischen Antrag, der aus
eine beträchtlich stärkere Belastung der großen Einkommen und
Vermögen hinauslief, nichts übrig hatte, bedarf kaum der Erwähnung.
Einen lustigen Tanz aber führte der Redner des
Bauernbundes auf. Wenn eine Partei nach ihrer ganzen Zusammensetzung
Grund hatte, dem sozialdemokratischen Anlrag zuzustimmen,
so mußte das der Bauernbund sein, denn besonders
die den Kleinbauern schwer bedrückende Schuldenversteuerung und