18
weiter die meistens bei Kleinbauern wahrzunehmende viel zu hohe
Einschätzung des Grundstückertrags sollte durch ihn beseitigt werden.
Was aber sagte der bündlerische Redner? Er stellte ausdrücklich
fest, daß solange die staatlichen Ertragsstenern bestehen bleiben,
„diejenige Entlastung nicht eintreten wird, welche man auf dem
Lande erhofft". Man sollte deshalb „die Ertragssteuern nicht
beibehalten, sondern zur Vermögenssteuer übergehen". So im
ersten Teil der Rede des Schultheißen Haug von Langenau. Im
zweiten Teil aber erklärte er, er hoffe, daß die Ertragsstenern
„möglichst bald" beseitigt werden, „wenn auch nicht soforl, so
doch in einigen Jahren". Und als Herr Hang bei der Abstimmung
über den Antrag der Sozialdemokraten Gelegenheit
halte, seine Worte in die Tat umzusetzen und für die „möglichst
baldige" Beseitigung der Ertragssteuern einzutreten, da stimmte
er und alle seine Parteigenossen mit Nein!
Eingehender beschäftigte sich der Finanzminister mit dem Antrag
unserer Fraktion. Er kam zu dem Ergebnis, daß die Beseitigung
aller indirekien Steuern, wie sie die Sozialdemokratie
fordere, und die Aufbringung des ganzen seither durch die indirekten
Steuern erzielten Steuerertrags durch direkte Steuern
auf eine „Vergesellschaftlichung der Einkommen und Vermögen"
hinauslaufe. Da der Finanzminister besonders an den Vorschlägen
des sozialdemokratischen Redners bezüglich der Erbschaftssteuer
Anstoß genommen hatte, so verwies ihn der letztere auf
die Tatsache, daß in England die Progression der Erbschaftssteuer
bei Deszendenten bereits heute bis zu 8 °/o, bei Nichtve, wandten
sogar bis zu 18 °/o, in Australien bis zu 20 °/o, in einigen Staaten
der nordamerikanischen Union bis zu 15 °/o gehe. Dort sei von einer
Vergesellschaftlichung der Vermögen trotzdem noch nichts zu merken
gewesen. Es sei ihm, unserem Redner, aber gar nicht in den
Sinn gekommen, solche Sätze für Württemberg vorzuschlagen.
So wurde der sozialdemokratische Antrag von sämtlichen bürgerlichen
Parteien abgelehnt. Sämtliche Entwürfe wurden an
eine 16 Mitglieder starke Steuerkommission verwiesen, in die
entsandten: die Freie Vereinigung (Privilegierte, Bauernbund und
Konservative) 4, das Zentrum 4, die Deutsche Partei 2, die
Volkspartei 5 Mitglieder, die Sozialdemokratie 1 Mitglied.
Ein Scheingefecht.
Fünf Monate nach der Generaldebatte trat die Steuerkommission
zur Einzelberatung der Entwürfe zusammen. Jetzt ereignete sich
etwas Merkwürdiges. Der Führer der Volkspartei, Abg. Hauß-