Full text : Das Kontokorrentgeschäft im deutschen Bankgewerbe

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erhaben  sind.  Dies  führt  uns  zum  Schlüsse  dazu,  das  Problem
der  Trennung  des  Depositenhankwesens  vom  Spekulationsbankwesen ­
  hinsichtlich  seiner  Durchführbarkeit  zu  prüfen.  Eine
derartige  Arbeitsteilung  stellt  man  sich  gewöhnlich  nicht  ganz
so  vollkommen  vor  wie  in  England,  da  man  gewöhnlich  nur  die
reinen  Spekulationsgeschäftevom  regulären  Bankgeschäfte
getrennt  wissen  will.  Dieses  Ziel  zu  erreichen  ist  sehr
wünschenswert.  Jedoch  müssen  wir  die  Frage  aufwerfen,  ob
es,  selbst  wenn  die  Trennung  nominell  durchgeführt  würde,
auch  tatsächlich  erreicht  werden  kann.  Dies  ist  noch  keineswegs ­
  so  ganz  erwiesen.  Unseres  Ermessens  ist  die  Verwaltung
der  Bank  ausschlaggebend.  Ist  diese  gut,  so  ist  das  Bankgeschäft ­
  in  seiner  gegenwärtigen  Gestalt  keineswegs  als  so
verwerflich  anzusehen  wie  die  meisten  Banktheoretiker  meinen.
Man  muss  doch  auch  bedenken,  dass  eine  Depositenbank,  wie
man  sie  sich  gewöhnlich  vorstellt,  wenn  sie  von  unsoliden
Grundsätzen  geleitet  wird  —  was  trotz  der  besten  statutarischen ­
  Vorschriften  nicht  immer  zu  verhüten  ist  —  grosses
Unheil  anrichten  kann  und  keineswegs  die  Spekulation  ausschliesst.
  Kann  man  doch,  wie  wir  gesehen,  in  die  Form  des
Kontokorrentgeschäftes  die  gewagtesten  Transaktionen  kleiden.
Würde  man  aber  glauben,  dem  begegnen  zu  können,  indem
man  einfach  das  Kontokorrentgeschäft  den  Depositenbanken
entzieht,  so  würde  die  Existenzfähigkeit  solcher  Institute  sehr
in  Frage  gestellt  werden,  da  ihnen  dann  die  Möglichkeit,  die
anvertrauten  Gelder  in  ausgedehntem  Masse  zu  beschäftigen,
verschlossen  bliebe.  Wir  gelangen  also  zu  dem  Ergebnis,  dass
die  so  vielfach  gepriesene  Arbeitsteilung  im  Bankwesen  keineswegs ­
  nur  Lichtseiten,  sondern  unter  Umständen  sogar  grosse
Schattenseiten  aufweisen  kann.

')  Mit  dem  Begriffe  „Spekulationsgeschäfte“  sind  übrigens  noch
häufig  falsche  Vorstellungen  verbunden.  So  rechnet  sogar  Adolf  Weberin ­
  seinem  sonst  so  interessanten  Buche:  „Depositenbanken  und  Spekulationsbanken“ ­
  irrtümlich  das  Emissionsgeschäft  zu  den  Spekulationsgeschäften. ­
  Vgl.  darüber  die  Rezension  von  Lotz  im  Bankarchiv.  I.  Jahrgang. ­
  Frankfurt  1902.  S.  208  ff.
            
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