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danken, denen man heute auf Schritt und Tritt begegnet, wenn
man in den Kreisen der Arbeiter — und zwar auch der besonnensten
und nicht verhetzten — sich über ihr lohnpolitisches
Denken orientiert. Das sind Vorstellungen, die weit fester Wurzel
geschlagen haben als irgendwelche Zukunftsstaatsideen.
Im Gegensatz zu dieser ausgesprochen ablehnenden Haltung, die
auch die fortgeschrittene Arbeiterschaft des englischen Maschinenbaues
noch zu Zeiten des grossen Ausstandes 1897—1898 schroff
einnahm, steht eine Strömung in den Arbeiterkreisen, die in ganz
bewusster Weise bestrebt ist, die Abhängigkeit des Gesamtwohles
eines Wirtschaftskreises von der Mitwirkung aller vorhandenen
Kräfte, auch der Arbeiter, bei ihrer Lohnpolitik sich vor Augen
zu halten. Diese Strömung entwickelt sich in der englischen
Arbeiterschaft unter dem Einflüsse der Webbs; in Deutschland vertritt
sie literarisch vornehmlich Bernstein. Bernstein hat in seinen
jüngsten dieses Thema betreffenden Aufsätzen sich in sehr klarer
Weise und im Zusammenhang mit seinem Revisionsprogramme
dahin ausgesprochen, dass eine »Beseitigung der Lohnform« in
absehbarer Zeit nicht zu denken sei. Es bedürfe daher einer
Politik der Lohnform, recte Lohnbemessungsmethode.
Da vermag er denn nicht ganz die schmerzliche Ironie zu
unterdrücken, wenn er der Tatsache gedenkt, dass der Brüsseler
internationale Sozialistenkongress 1891 den bekannten Beschluss
gefasst habe, der die Arbeiter zum Kampf gegen das Stücklohnsystem
aufrief. Dass die Stücklöhnung durchaus nicht die qualifiziert
kapitalistische Lohnbemessungsmethode sei, wie Marx behauptete,
lehrten die Tatsachen, denn es seien beispielsweise nicht
etwa die kapitalschwachen Betriebe, die die Zeitlöhnung anwendeten.
Die Lohnbemessung sei vielmehr eine Resultierende aus
einer Reihe verschiedener Faktoren.
Gefahren berge die Werklöhnung, wo ihre Durchführung individuelle
Vereinbarung des Unternehmers mit den einzelnen Arbeitern
oder ganz kleinen Gruppen mit sich bringe; das sei der
Fall in jenen Industrien, in denen die Arbeiter sich spezialisieren
unter dem Einflüsse des Arbeitsprozesses, wJe im Maschinenbau,
wo die Vielfältigkeit der Erzeugnisse und die grössere Bedeutung
der Kraft und Handfertigkeit des einzelnen Arbeiters ein grosses
Hindernis für Ausarbeitung allgemeiner Stücklohntarife bildeten.
Zeitlohn sei keineswegs immer vorteilhafter, schon wegen der Gefahr,
dass Zwischenmeister sich einschieben, »die dafür sorgen, dass