Full text : Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

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presst.  Notwendig  ist  äusserste  Stabilität  des  Schachtrohres,  damit ­
  der  Kolben  immer  dicht  anschliesst.  Diese  Förderung  ist
jedoch  wegen  starken  Kohlenverbrauches  sehr  kostspielig 1 ).
Ich  erwähne  diese  Beispiele,  um  zu  zeigen,  wie  mit  der  wirtschaftlichen ­
  Notwendigkeit  sich  stets  das  Streben  zeigt,  auch  Abhilfe ­
  zu  schaffen.  Damit  ist  nicht  gesagt,  dass  gleich  das  Ziel  vollkommen ­
  erreicht  zu  sein  braucht.
II.  Wir  werden  noch  sehen,  dass  die  eigentlichen  Kohlengewinnungskosten ­
  einen  sehr  grossen  Teil  der  Produktionskosten
der  Kohle  ausmachen  und  dass  sie  zur  Hälfte  und  mehr  in  dem
für  die  Arbeit  gezahlten  Gedinge  bestehen,  d.  h.  also  in  Arbeitslöhnen. ­
  Es  leuchtet  ein,  dass  damit  alles  das,  was  eine  grössere
Leistung  der  Arbeiter  hervorruft,  die  Produktionskosten  mindern
kann.
Für  die  Arbeitsleistung  beim  Steinkohlenbergbau,  die  heute
in  Preussen  bei  der  Kohlengewinnung  noch  meistens  durch  Handarbeit, ­
  sehr  wenig  durch  Maschinenarbeit  stattfindet,  aber  gilt  die
Lehre  vom  Verhältnis  von  Arbeitslohn  und  Arbeitszeit  zur  Arbeitsleistung, ­
  d.  h.  höhere  Löhne  und  kürzere  Arbeitszeit  können
grössere  Leistung  bedeuten  1  2 ).  Damit  können  sozial  günstig  wirkende ­
  Einrichtungen  auch  ökonomisch  günstige  Folgen  haben:
dieMöglichkeit  nämlich,  ein  gegebenesFlötz  wirtschaftlicher  zu  bauen
oder  bei  einem  ungünstigeren  Flötze  das  sich  geltend  machende
Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages  wirtschaftlich  zu  suspendieren.
Roscher 3 )  sagt,  eine  wachsende  Volkswirtschaft  könne  durch  Geschickterwerden ­
  der  Arbeitsdienste  gar  wohl  eine  Verteuerung
der  Naturdienste  aufwiegen.
III.  Der  Anteil  des  Kapitals  an  den  Produktionskosten.  Wir
gehen  davon  aus,  dass  eine  ständige,  eine  wachsende  Nachfrage
seitens  der  Kohlenverbraucher  das  Bestreben  unternehmender
Männer  hervorrief,  diese  Nachfrage  auch  zu  befriedigen.
Um  1819  bauten  die  Steinkohlenzechen  in  Westfalen  meist
noch  über  den  Talsohlen,  ebenso  wurde  bis  1820  im  Saargebiete
1)  Köhler,  Katechismus  170.
2)  So  sagt  z.  B.  v.  Festenberg-Packisch,  Der  deutsche  Bergbau  1886.  42:  »Der
Bergmann  gewöhnte  sich  mehr  und  mehr  an  intensive  Arbeit,  wobei  ihm  der  durch
die  Gedingestellung  zugewiesene  Mehrverdienst  als  Sporn  diente«.  Für  die  Gültigkeit ­
  der  Brassey-Brentajioschen  Proportionalitätstheorie  beim  .Steinkohlenbergbau  vgl.
Bosenick,  Ueber  die  Arbeitsleistung  beim  Steinkohlenbergbau  in  Preussen.  Stuttgart ­
  1906.
3)  Nationalökonomik  des  Plandels  und  Gewerbfleisses  1892.  823.
            
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