Full text : Organisierte Arbeit

141

Käufer  eine  gewisse  Garantie  für  die  Qualität  der  Ware  und  einen
Schutz  vor  ansteckenden  Krankheitskeimen  aus  Schwitzbuden.
Die  Zigarrenmacher  schufen  das  Label  in  Amerika  im
Jahre  1874.  Es  bedeutete  damals  besonders  einen  Protest  gegen
chinesische  Arbeit,  die  nach  dem  Vertrag  von  1868  über  die  Weststaaten ­
  flutete.  Trotz  der  starken  Agitation  in  Kalifornien  folgten
die  Vereinigten  Staaten  dem  Vorbild  Australiens  in  der  Ausschliessung ­
  der  Chinesen  erst  1882.  Es  kamen  1866  über  11000
Chinesen  ins  Land  und  1872  begannen  sie  in  der  Zigarrenindustrie
angestellt  zu  werden,  zwar  noch  in  kleiner  Zahl,  aber  doch  eine
Gefahr  für  die  Lohnhöhe  der  weissen  Arbeiter,  die  daher  1874
einen  weissen  Zettel  auf  ihre  Zigarrenkisten  hefteten,  um  zu
zeigen,  dass  weisse  Arbeiter  ihre  Lebenshaltung  gegen  das  Niveau
der  Kulis  verteidigten.  1875  benutzten  die  Zigarrenmacher  von
St.  Louis  ein  rotes  Label  im  Kampfe  gegen  die  Nichtorganisierten
mit  solchem  Erfolg,  dass  man  versuchte,  dasselbe  zu  fälschen.
Auf  der  Chicagoer  Konvention  von  1880  entstand  der  Streit
zwischen  den  Delegierten  von  St.  Louis  und  Kalifornien,  ob  das
weisse  oder  rote  Lebel  angenommen  werden  solle;  ein  östlicher
Delegierter  vermittelte  schliesslich:  „Lasst  uns  die  dritte  Farbe  der
Fahne  nehmen“,  und  seitdem  ist  das  blaue  Label  das  Wahrzeichen
der  organisierten  Zigarrenmacher  des  Landes.
Die  Bedeutung  dieses  Labels  für  die  Gewerkschaftsbewegung
sieht  man  an  seiner  allmählichen  Verbreitung.  Bei  den  Zigarrenarbeitern ­
  wuchs  die  Ausgabe  von  1,59  im  Jahre  1880  auf  22,315
Millionen  Stück  im  Jahre  1900.  Mit  seiner  Hilfe  haben  sich  die
Leute  gegen  die  Fluten  von  Einwanderern,  die  über  das  Gewerbe
gingen,  gegen  Frauen-  und  Kinderarbeit  in  Kasernen  und  Kellern
zu  halten  vermocht.
Ihr  Erfolg  führte  bald  zur  Annahme  des  Labels  in  anderen
Gewerben.  1885  wurde  das  heutige  Hutmacherlabel  eingeführt
und  eroberte  den  Gewerkschaften  viele  Betriebe.  Bis  zum  30.  November ­
  1897  waren  115  Millionen  ausgegeben  und  Anfang  1901
war  der  Monatsbedarf  eine  Million  Stück.  Ebenso  hat  das  Label
den  Kleidermachern  unschätzbare  Dienste  im  Kampf  gegen  die
Schwitzbuden  geleistet.
1891  wurde  das  Label  der  Drucker  eingeführt,  das  in
vielen  Städten  für  alle  öffentlichen  Drucksachen  Erfordernil  ist;
seit  diesem  Jahre  sind  noch  viele  andere  Label  eingeführt,  grosse
Summen  werden  heute  für  Reklame  derselben  ausgegeben,  beson ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.